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News: Das Aha-Erlebnis

Wer kennt das nicht? Man grübelt und grübelt - und plötzlich ist sie da, die Idee für ein schwieriges Problem. Wissenschaftler fanden jetzt den Ort dieser Aha-Erlebnisse.
"Heureka! – Ich hab's gefunden!", soll er, nackt durch die Straßen Alexandrias rennend, gerufen haben. Es war aber auch ein schwieriges Problem, das Archimedes für den Tyrann von Syrakus zu lösen hatte: Er sollte den Goldgehalt einer Krone bestimmen, ohne diese zu zerstören. Nachdem er tagelang gebrütet hatte, kam dem Mathematiker und Erfinder erst die Erkenntnis, als er ein entspannendes Bad nahm. Das Wasser schwappte über – und plötzlich erschien alles so einfach. Das verdrängte Wasser entsprach genau dem Volumen des eingetauchten Körpers – egal, ob es sich dabei um einen Mathematiker oder eben um eine Goldkrone handelte. Und mit dem so messbaren Volumen und dem bereits bekanntem Gewicht ließ sich der Goldgehalt leicht bestimmen. Einfach genial.

Wahrscheinlich müssen Sie nicht harte Nüsse für griechische Tyrannen knacken und rennen auch seltener nach der Lösung nackt durch die Straßen, aber derartige Aha-Erlebnisse kennt jeder von uns – und sei es nur beim Kreuzworträtsel. Die Erkenntnis ist wie von Geisterhand schlagartig da, häufig nachdem die Gedanken etwas abschweiften. Was geschieht bei diesem Geistesblitz und wo geschieht er?

Mark Jung-Beeman von der Northwestern University und seine Kollegen machten sich zwei Verfahren zu Nutze, um den Ort des Geschehens aufzuspüren: Das bildgebende Verfahren der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) sowie die Erfassung der Hirnströme per Elektroencephalogramm (EEG). Dabei mussten ihre Versuchspersonen einige Denksportaufgaben bewältigen: Sie sollten zu drei Wörtern wie "Kasten", "Marke" und "Träger" ein zu allen passendes Wort finden – wie zum Beispiel "Brief". Kam die Erkenntnis wie der Blitz, dann drückten die Probanden eine entsprechende "Aha"-Taste.

Die Versuchspersonen erwiesen sich als geistig rege; knapp 60 Prozent der Aufgaben bewältigten sie, wobei sie in 56 Prozent der Fälle ein Aha-Erlebnis verspürten. Und genau dann regte sich eine bestimmte Hirnwindung: der vordere Teil des Gyrus temporalis superior im Schläfenlappen. Allerdings nur auf der rechten Seite, die entsprechende Windung der linken Hemisphäre blieb stumm.

Auch das EEG bestätigte den rechtseitigen Ort des Geistesblitzes. Etwa eine Drittel Sekunde, bevor der erlösende Aha-Knopf gedrückt wurde, tauchten auf der rechten Seite hochfrequente Impulse auf, die als Gamma-Band bezeichnet werden und typisch für kognitive Prozesse sind.

In dem EEG entdeckten die Wissenschaftler jedoch überraschenderweise noch einen zweiten Effekt. Etwa 1,5 Sekunden vor dem Geistesblitz zeigten sich niederfrequente Alpha-Wellen, die dafür bekannt sind, visuelle Eindrücke zu unterbinden. Sobald das Gamma-Band einsetzte, verschwanden sie schlagartig. Die Forscher interpretieren das als Versuch des Gehirns, sich auf das Problem geistig einzustellen. "Das ist, wie wenn Sie Ihre Augen schließen, um sich auf ein schwieriges Problem zu konzentrieren", erklärt der an der Studie beteiligte Psychologe John Kounios von der Drexel University. "Aber in diesem Fall blockiert das Gehirn lediglich die visuellen Eindrücke in der rechten Hemisphäre."

Demnach scheint eine bestimmte Hirnregion der rechten Großhirnhälfte für die ersehnten Geistesblitze zu sorgen. Hier laufen vermutlich die im Gedächtnis gespeicherten Informationen zusammen und werden neu kombiniert. "Archimedes' schlagartige Idee, mit der Wasserverdrängung die Dichte zu bestimmen, kam ihm, indem er bekannte Tatsachen auf neue Art kombinierte", meint Jung-Beeman. "Genau das ist das Besondere vieler Geistesblitze: die Erkenntnis neuer Zusammenhänge aus bereits bekanntem Wissen."

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