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News: Das Atlantis Ägyptens

Großes Aufsehen erregte in der vergangenen Woche die Präsentation des französischen Schatztauchers Franck Goddio: In der Bucht von Abukir hatte der Forscher die Reste einer versunkenen Stadt aufgespürt. Als wahrscheinlich gilt, dass es sich dabei um Herakleion handelt. Der Ort soll bereits lange vor Alexandria eine blühende Handelsniederlassung gewesen sein.
Herakleion wurde bislang wenig beachtet und galt als verschollener Ort der Geschichte. "Die Bucht von Abukir wurde als eine mögliche Fundstelle für Herakleion eingeschätzt und bereits in den zwanziger Jahren untersucht, allerdings verhinderten die ständig schlechten Sichtverhältnisse größere Entdeckungen", berichtet Manfred Clauss von der Universität Frankfurt am Main und Berater des Unterwasserprojektes in Ägypten. Durch einen Zufall sei das Forscherteam unter Leitung von Franck Goddio, das im vergangenen Jahr in dieser Region nach der untergegangenen Flotte Napoleons suchte, auf Unregelmäßigkeiten im Meeresboden gestoßen, die sich als Ruinenfelder entpuppt hätten.

"Die Stadt wird bereits in Schilderungen früher griechischer Geographen um etwa 500 vor Christus erwähnt. So begann Herodot seine Ägyptenreise in Herakleion", erläutert der Althistoriker. Experten hatten vermutet, die Siedlung habe bereits vor Alexandria dort eine Blüte erlebt. "Die rund 15 Funde aus der Stadt stammen aus dem achten bis sechsten Jahrhundert vor Christus und sind damit weit vor der Gründung Alexandrias datiert", so Clauss. Allerdings handele es sich um Einzelstücke, die insgesamt noch zu wenig Aussagekraft besäßen.

Dass es sich bei den Ruinen dennoch wirklich um Herakleion handelt, schlossen die Forscher aus Lagebeschreibungen zeitgenössischer Darstellungen: "So wurde ein von Alexandria abgehender, 24 Kilometer langer Kanal beschrieben, an den sich die Städte Kanopus, Minutis und schließlich Herakleion anschlossen." Die Unterseevermessungen hätten zwei verschiedene Siedlungen im Abstand von etwa zwei Kilometern zu Tage gefördert, von denen eine deutlich erkennbar an einem alten Nilarm liege. Dies entspräche ebenfalls Überlieferung. Letztendliche Sicherheit könne jedoch nur erreicht werden, wenn in den Ruinen Inschriften gefunden würden, welche die Stadt namentlich erwähnten.

Ob es sich bei Herakleion um eine griechische oder eine ägyptische Stadt gehandelt habe, lasse sich nur schwer definieren. So hätten Griechen in dieser Region oft für Ägypter gebaut und durch religiöse Einflüsse zur Namensgebung der Orte Kanopus und Minutis beigetragen – beide Namen entstammen den Legenden um Helena, Menelaos und Paris. Erst genaue Untersuchungen in den kommenden zehn bis 20 Jahre könnten weiteren Aufschluss über Herkunft der Einwohner und ihre Lebensumstände erbringen.

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