Direkt zum Inhalt

Antike Trinksitten: Das Bier der Gallier

Das Bier der GallierLaden...
Wein ist das Nationalgetränk der Franzosen – obschon das Bier offenbar eine viel längere Tradition auf französischem Boden besaß. Davon zeugen Körner von Gerstenmalz, die Archäologen in einer keltischen Siedlung aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. entdeckten.

Die gekeimten undLaden...
Die gekeimten und ... | ... verkohlten Gerstenkörner aus dem keltischen Wohnhaus in Roquepertuse
Für den Mälzvorgang wurde das rohe Getreide zunächst zum Keimen gebracht, bevor es getrocknet, geschrotet und schließlich mit heißem Wasser eingemaischt wurde. Bei dem Malz aus dem südfranzösischen Roquepertuse handelte es sich fast vollständig um aufgekeimte Gerstenkörner, die auch bereits erhitzt worden waren.

Dieses TonfragmentLaden...
Dieses Tonfragment ... | ... gehörte zur Lochtenne des Darrofens, in dessen unmittelbarer Nähe sich die Gerstenkörner fanden.
Der Archäobotaniker Laurent Bouby vom Centre de Bio-Archéologie et d’Ecologie in Montpellier fand die Keimlinge zudem in der Nähe eines Lehmofens, der vermutlich zum Darren des Malzes diente.

Die Vorliebe der Kelten für das Bier ist nicht zuletzt durch römische Schriftsteller gut belegt – Plinius, der Ältere, (23-79 n. Chr.) etwa berichtet von zahlreichen verschiedenen Biersorten aus Gallien und Hispanien.

Rekonstruktion desLaden...
Rekonstruktion des ... | ... Lehmofens, der mit Holzkohle befeuert wurde. Die heiße Luft stieg in den oberen Teil des Ofens und trocknete so die Getreidekörner auf der Lochtenne.
Neu ist aber, dass der Gerstensaft schon im 5. Jahrhundert v. Chr. verbreitet war. Und dass die Kelten für den Genuss keinen Aufwand scheuten: Denn Gerste in Bier zu verwandeln, so Bouby, ist viel arbeitsintensiver als Brot daraus zu backen. Gut möglich, dass das kostbare Getränk nur zu besonderen Gelegenheiten und Festen gereicht wurde.

Katharina Bolle

Human Ecology 2011; DOI 10.1007/s10745-011-9395-x

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos