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News: Das Dutzend ist voll

Sie sind überall, und es werden immer mehr: Planeten außerhalb des Sonnensystems und Staubscheiben um ferne Sterne. Gleich sechs neue mutmaßliche Planeten, von denen einer nur 15 Lichtjahre von der Erde entfernt seine theoretisch schwer zu erklärenden Bahnen zieht, und die erste Staubscheibe um einen heißen, massereichen Stern haben Astronomen nun entdeckt.
In astronomischen Maßstäben gerechnet ist es nur ein Katzensprung zu Gliese 876, dem mit 15 Lichtjahren nächsten und mit nur einem Drittel der Sonnenmasse leichtesten Stern, von dem die Astronomen annehmen, daß ihn ein Planet begleitet (Science News vom 27. Juni 1998). Gliese 876 ist so leuchtschwach, daß er schwierig zu analysieren ist. Geoffrey W. Marcy von der San Francisco State University und der University of California in Berkeley war sich seiner Sache daher auch erst sicher, als er den Stern mit dem Riesenteleskop Keck I auf der Spitze des Mauna Kea auf Hawaii untersuchen konnte. Wie bei früheren Entdeckungen auch, war der vermutete Planet nicht direkt zu sehen, sondern verriet sich durch seinen Gravitationssog auf den Stern.

Wenigstens 1,6mal so schwer wie der Planet Jupiter, bewegt der neue Planet sich in 61 Tagen in einem Abstand von nur einem Fünftel der Entferung Erde-Sonne um seinen Stern. Was die Wissenschaftler aber noch mehr in Erstaunen versetzt, ist die stark elliptische Form der Umlaufbahn. Nach ihren Theorien sollte die starke Anziehung zwischen Stern und nahegelegenem Planet letzteren in einen annähernd kreisförmigen Orbit zwingen. Doch nach Marcys Angaben studieren er und seine Kollegen zur Zeit einen weiteren Stern mit einem potentiellen Planeten, dessen Bahn sogar noch langgestreckter ist. "Alle Planeten unseres Sonnensystems haben rundere Umlaufbahnen als diese beiden neuen Planeten", sagt er. "Das wirft die Frage auf, wie verbreitet eigentlich die Architektur unseres Sonnensystems ist."

Kaum zwei Stunden nachdem Marcy seine Ergebnisse auf einem Symposium der International Astronomical Union in Victoria vorgestellt hat, zeigte ihm ein aufgeregter Kollege eine E-Mail. Darin berichteten Xavier Delfosse vom Observatoire de Haute Provence, daß sein Team unabhängig von Marcys Gruppe zu den gleichen Resultaten gelangt sei.

Eine Zusammenstellung der sechs neuentdeckten extrasolaren Planeten sowie ein Katalog der gesicherten und noch zu überprüfenden Beobachtungen hat Jean Schneider vom Observatoire de Paris zusammengestellt.

Die aufgeführten Planeten und Staubscheiben gehören alle zu leichten oder mittelschweren Sternen. Diese entstehen, wenn Gase zu einer so dichten Kugel kollabieren, daß in deren Inneren die Kernfusionsreaktionen starten. Gase und Staub, die den Zentralstern umgeben, verklumpen schließlich zu Planeten.

Sehr massereiche Sterne emittieren dagegen so intensive Strahlung, daß sie alle Materie in ihrer Nähe regelrecht fortblasen. Doch es scheint Ausnahmen von der Regel zu geben: Der Stern G339.88-1.26 hat die 20fache Sonnenmasse und gibt 10 000mal so viel Strahlung ab, vorwiegend im ultravioletten Bereich. Sein Licht ist allerdings von der Erde aus nicht sichtbar, da ihn eine dicke Staubschicht ummantelt. Nur mit Radioteleskopen ist er zu erkennen. Einem Astronomenteam um Bringfried Stecklum und Hans-Ulrich Käufl vom European Southern Observatory ist es mit dem Thermal Infrared Multi Mode Instrument des 3,6-Meter-Teleskops gelungen, den Staub im Infrarotbereich zu entdecken. Nach Käufls Vermutung absorbieren die Partikelchen das UV-Licht und geben die Energie als Infrarotstrahlung wieder ab. Durch die Absorption wird verhindert, daß Staub und Gase davongeweht werden, und um den Stern kann sich Materie ansammeln. Ob sich allerdings einmal Planeten daraus formen werden, ist noch nicht klar.

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  • Quellen
Science News, Observatoire de Paris, ESO

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