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Sinnesphysiologie: Das Erdmagnetfeld - Freund des hungrigen Fuchses?

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Füchse erjagen kleine, am Boden versteckte Beutetiere auch dann erfolgreich, wenn sie nicht sehen können: Ihr stereotyper steiler Luftsprung beim "Mausen" überrascht die Beute dabei von oben. Der Jagderfolg steht und fällt aber ganz offenbar auch mit dem Anflugkurs, berichtet ein tschechisch-deutsches Forscherteam verblüfft – denn in Nordrichtung ausgeführte Attacken sind insgesamt deutlich erfolgreicher. Womöglich richten sich die springenden Füchse auf eine ungeahnte Weise am Erdmagnetfeld aus, um den nach Gehör eingeleiteten Ansprung zu präzisieren, vermuten die Wissenschaftler um Hynek Burda von der Universität Duisburg-Essen [1].

Die Forscher hatten penibel Felddaten ausgewertet, die über zweieinhalb Jahre beim Beobachten von insgesamt 84 jagenden Rotfüchsen (Vulpes vulpes) in der Tschechischen Republik gesammelt wurden. Dabei war neben den gerade herrschenden Umweltbedingungen auch die Absprungrichtung mausender Füchse per Kompass aufgenommen worden. Die Auswertung zeigt, dass Füchse nicht nur bevorzugt in Nordost-Richtung abspringen, sondern dann auch signifikant häufiger eine angesprungene Beute überwältigen, die durch Schnee oder hohe Vegetation sichtgeschützt war. Keine Rolle spielen dabei der Sonnenstand, die Windrichtung oder die Wetterbedingungen zur Jagdzeit.

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Mausender Fuchs | Füchse könnten anhand ihrer Orientierung entlang der Erdmagnetfeldlinien die Distanz zur Beute abschätzen – es wäre der erste Fall, bei dem ein Tier seine Fähigkeit zur Magnetfeldwahrnehmung für eine Entfernungsmessung nutzt.
Das Forscherteam hatte zuletzt vor gut zwei Jahren für Wirbel im Blätterwald gesorgt, als es eine bevorzugte Körperausrichtung von Kühen und Hirschen entlang des Magnetfelds mit Satellitenaufnahmen nachgewiesen hatte: Der Zweck einer Fähigkeit zur Kompassorientierung, so die Wissenschaftler, sei bei Kühen zwar mysteriös, aber bei Säugetieren offensichtlich weiter verbreitet als vermutet und könne eine biologisch unterschätzte Bedeutung haben.

Dem unter schlechten Sichtbedingungen jagenden Fuchs mag die Magnetfeldorientierung helfen, seine Sprünge präziser zu steuern, so die Hypothese der Wissenschaftler. In einer typischen Jagdsequenz analysiere der Fuchs die Richtung, aus der ein Beutegeräusch kommt, indem er den Kopf schief hält – so differiert die Laufzeit der Schallwellen in das rechte und linke Ohr. Die genaue Entfernung zur Beute ist so aber nicht exakt zu ermitteln – hierzu dienen womöglich zusätzliche Informationen, die mit einer speziellen Variante der Magnetfeldanalyse eingeholt werden, spekulieren die Forscher. Das Tier könnte etwa die Inklination der Feldlinien (also deren je nach geografischer Breite unterschiedlich steilen Eintrittswinkel) in seiner Heimat verinnerlichen und über eine genordete innere Navigationskarte projizieren, die mit den anderen Sinnesreizen angereichert wird. Solche für die Umgebungsnavigation eingesetzten magnetischen Orientierungsinstrumente werden bereits für eine Reihe anderer Säugetiere diskutiert [2].

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Attacke auf ein unsichtbares Ziel | Da sein Sprung immer die gleiche Distanz überwindet, muss der Fuchs vor der Attacke die Entfernung zur Beute extrem genau abschätzen. Wie die Collage aus einem Video der BBC (Amazing Fox Dive – Yellowstone) zeigt, gelingt das dem Fuchs sogar, wenn er seine Beute nicht sieht.
Im Detail könnte eine solche Karte dem Fuchs helfen, über eine Art Triangulationsnavigation den Aufenthaltsort seiner Beute einzugrenzen. Er muss sich der erlauschten groben Richtung dazu auf der Nord-Süd-Achse so lange annähern, bis die Beziehung von Geräusch- und Magnetfeldreizen auf der inneren Karte ein bestimmtes Verhältnis erreicht, das nach der Erfahrung des Fuchse bei einem bestimmten Abstand zur Geräuschquelle vorliegt. Von dort aus führt der stereotype, immer gleich weite Sprung dann direkt zur Beute.

Wenn das beschriebene Szenario zutrifft, so wäre der Fuchs das erste Tier, an dem nicht eine Richtungs-, sondern eine Entfernungsmessung per Magnetfeldrezeption beschrieben ist. Biochemische Rezeptorstrukturen, die eine lichtabhängige Magnetfeldrezeption ermöglichen und die Grundlage für diese Art der Kompassorientierung sein könnten, sind bei anderen Wirbeltieren schon bekannt. (jo)
2. KW 2011

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 2. KW 2011

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