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Juno-Mission: Das erste Bild von Ganymeds Nordpol

Jupiter bombardiert seine Monde mit Plasma. Stark betroffen: Ganymed, weil dieser keine Atmosphäre hat. Wie heftig die Einschläge sind, zeigt das erste Bild von seinem Nordpol.
Der Raumsonde Juno sind im Dezember 2019 Aufnahmen vom Nordpol des Jupitermondes Ganymed gelungen.Laden...

Die Raumsonde Juno hat geschafft, was nie zuvor gelang: Ein gut aufgelöstes Bild vom Nordpol des Jupitermonds Ganymed. Die Aufnahmen gelangen bereits am 26. Dezember 2019, nun hat die NASA sie vorgestellt. Aus etwa 100 000 Kilometer Nähe sammelte ein Instrument namens JIRAM an Bord der Sonde gut 300 Infrarotbilder der Oberfläche mit einer räumlichen Auflösung von 23 Kilometern pro Pixel.

Ganymed ist der größte bekannte Mond in unserem Sonnensystem und besteht hauptsächlich aus Wassereis. Seine Oberfläche zieren helle Gebiete mit Bergrücken und Rillen, die sich über älteres, dunkleres Terrain schieben. Nach jetziger Kenntnis sind diese Rillenregionen ein Hinweis darauf, dass der Mond in der fernen Vergangenheit starke geologische Umwälzungen erlebt hat. Was den Jupiter-Trabanten ebenfalls zu etwas Besonderem macht: ein eigenes Magnetfeld. Dieses verursacht Polarlichter, in Regionen nahe seinem Nord- und Südpol.

Der Nordpol von Ganymed ist in der Mitte des Bildes zu sehen. Aufgenommen hat ihn das Infrarot-Imager JIRAM an Bord der Nasa-Raumsonde Juno am 26. Dezember 2019.Laden...
Nordpol Ganymed | Der Nordpol von Ganymed ist in der Mitte des Bildes zu sehen. Aufgenommen hat ihn das Infrarot-Imager JIRAM an Bord der NASA-Raumsonde Juno am 26. Dezember 2019. Die dicke Linie ist null Grad Länge.

Ganymeds Eis ist gezeichnet

Da Ganymed keine Atmosphäre hat, wird die Oberfläche an ihren Polen ständig mit Plasma aus der gigantischen Magnetosphäre des Jupiters bombardiert. Worauf die Nordpolaufnahmen hindeuten: Das Bombardement wirkt sich auf die Struktur des Eises von Ganymed aus.

»Die JIRAM-Daten zeigen, dass Plasma das Eis am und um den Ganymed-Nordpol verändert hat«, zitiert die NASA Alessandro Mura, einen Juno-Forscher am Nationalen Institut für Astrophysik in Rom. Eine neue Erkenntnis, »weil wir [dank Juno] den Nordpol in seiner Gesamtheit sehen können«, sagt Mura weiter.

© NASA Visualization Technology Applications and Development (VTAD)
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Mit Ihrer Maus können Sie das 3-D-Modell vom Jupitermond Ganymed bewegen. Das Modell ist vor der Aufnahme des Nordpols entstanden.

JIRAM ist ein wesentlicher Teil der Juno-Mission, die am 5. August 2011 zum Jupiter gestartet war. Die Hauptaufgabe des Instruments: Daten über Jupiters Wetterschicht bis in eine Tiefe von 50 bis 70 Kilometern unter den Wolkenspitzen zu sammeln. Wie sich nun erneut zeigt, lässt es sich aber auch hervorragend nutzen, um mehr über spannende Monde wie Ganymed, Io, Europa und Callisto zu erfahren.

Die neuen Erkenntnisse wiederum liefern Inspiration für künftige Jupiter-Missionen. Beispielsweise JUICE, der JUpiter ICy moons Explorer der ESA. Die Reise soll im Jahr 2022 starten und den Planeten 2029 erreichen.

31/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 31/2020

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