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News: Das Gehirn spielt mit

Spielen ist Glückssache - man gewinnt oder verliert. Für das Gehirn macht es jedoch keinen Unterschied, ob man nun eine Mark mehr im Geldbeutel oder eine stimulierende Droge zu sich genommen hat: Es reagieren in beiden Fällen dieselben neuralen Schaltkreise, die mit den grundlegenden Prozessen von Erwartung und Belohnung zusammenhängen.
Gebannt starren die Augen auf den Spielautomaten – gewonnen oder verloren? Gleich wird es sich entscheiden. Und die Anspannung wird sich in jubelndem Glück oder bodenloser Enttäuschung entladen.

Hans Breiter vom Massachusetts General Hospital und seine Kollegen interessieren sich für die neuralen Mechanismen und die zuständigen Gehirnregionen, die hinter den Gefühlen stehen. Also ließen sie ihre Versuchspersonen – zwölf Männer – spielen. Zum Einstand gaben sie den Probanden 50 Dollar und erzählten ihnen, dass sie diesen Betrag entweder halten, verringern, aber auch vergrößern könnten. Als Spielgerät diente eine Scheibe, auf der sich ein Pfeil drehte, bis er irgendwann stoppte und einen Betrag anzeigte. Dabei verwendeten sie drei verschiedene Spielscheiben, die unterschiedliche Gewinnspannen ermöglichten.

Die Forscher unterteilten den Versuch in zwei Phasen. Im ersten Abschnitt zeigten sie den Teilnehmern nur, welchen Betrag diese potentiell gewinnen können, je nachdem, welche Scheibe sie nutzten und wo der Pfeil anhielt. Im zweiten Abschnitt hingegen konnten die Spieler dann direkt gewinnen oder verlieren. Und während die Versuchsteilnehmer die Scheibe beobachteten, überwachten die Wissenschaftler mit funktioneller Magnetresonanzspektroskopie den Blutstrom in deren Gehirnen.

Den Ergebnissen zufolge ist Geld – obwohl eine ausschließlich menschliche Erfindung – für das Gehirn nur eine Belohnung unter vielen: Es reagiert auf Gewinn oder Verlust genauso wie beispielsweise auf eine stimulierende Droge. Insgesamt veränderte sich der Blutfluss bei Gewinn oder Aussicht auf Gewinn stärker in der rechten Gehirnhälfte, während bei schlechten Aussichten die linke Hemisphäre aktiver wurde. Dabei zeigten sich keine großen Unterschiede, ob es sich nun um das tatsächliche Spiel handelte oder den ersten Teil des Versuches, in dem die Forscher nur Erwartungen weckten.

Auch die Höhe des Gewinns spielte eine Rolle. So spiegelten die Veränderungen des Blutflusses in einem Abschnitt des Mandelkerns (Amygdala) und im orbitofrontalen Cortex die Höhe des erwarteten Geldwertes wider, und mit steigenden potentiellen Gewinnen reagierten auch der Nucleus accumbens und der Hypothalamus stärker. Ähnliche Ergebnisse hatten Studien an Affen bereits erbracht, bei denen die Tiere eine Belohnung erwarteten und schließlich auch erhielten.

Die Resultate zeigen, dass Spielsucht offenbar auf denselben neuralen Schaltkreisen beruht wie die Abhängigkeit von Drogen – hinter denen wiederum der viel grundlegendere Regelkreis der Belohnung steckt. "Es wäre ein großer Fortschritt, wenn die Gehirnregionen und die neuralen Wege bekannt wären, die für die Erwartung und 'Belohnung' im Zusammenhang mit Drogenmissbrauch verantwortlich sind", erklärt Alan Leshner vom National Institute of Drug Abuse. "Denn das würde die Entwicklung von Medikamenten oder anderen Eingriffsmöglichkeiten vorantreiben, die diese Schaltkreise blockieren, sowie weitere Behandlungsmethoden eröffnen."

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  • Quellen
Neuron 30: 619–639 (2001)

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