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News: Das Gehirn warnt vor

Etwa jeder Hunderste leidet an Schizophrenie. Sie ist damit die am weitesten verbreitete psychische Krankheit überhaupt. Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist, dass die Störung möglichst früh diagnostiziert wird. Doch das ist nicht so einfach. Wissenschaftler haben nun aber festgestellt, dass sich im Gehirn von Betroffenen schon zu Beginn der ersten Symptome deutliche strukturelle Veränderungen zeigen. So kann Betroffenen in Zukunft vielleicht noch früher geholfen werden.
Menschen mit Schizophrenie leiden unter einer Persönlichkeitsspaltung, begleitet von Halluzinationen und auffälligen Verhaltensveränderungen. In manchen Familien tritt die Krankheit gehäuft auf, sodass für Verwandte ein höheres Risiko besteht, die mentale Störung ebenfalls zu entwickeln. So haben beispielsweise Untersuchungen in Australien ergeben, dass 40 Prozent der Menschen, die als Schizophrenie-gefährdet gelten, tatsächlich auch daran erkranken.

In früheren Studien hatten Wissenschaftler bereits Unterschiede in den Gehirnen von Schizophrenen und Gesunden nachgewiesen, doch in der Regel zeigten die Erkrankten hier ihre Symptome bereits seit längerer Zeit. Insofern konnten die Forscher nie genau sagen, ob die Veränderungen nun durch die Krankheit entstanden waren oder womöglich eine Alterungserscheinung darstellten, selbst Nebenwirkungen der Medikamente wurden in Betracht gezogen.

Tonmoy Sharma und seine Kollegen vom Institute of Psychiatry in London untersuchten nun 68 Freiwillige, von denen 37 zum ersten Mal und auch seit maximal drei Monaten an Halluzinationen litten, während die restlichen 31 gesund waren. Die Betroffenen hatten zum Teil auch noch keine Medikamente eingenommen. Und doch zeigten die Aufnahmen des Magnetresonanztomographen schon eindeutige strukturelle Unterschiede in den Gehirnen der Versuchsteilnehmer (American Journal of Psychiatry vom November 2000).

Die Veränderungen betrafen einige Schlüsselregionen, darunter auch den Schläfenlappen, der mit dem Sprachvermögen und Halluzinationen verknüpft ist. Außerdem waren die Gehirne der Schizophrenie-Patienten insgesamt kleiner als die der gesunden Probanden. Wie Sharma betont, sind die Abweichungen aber nicht spezifisch für Schizophrenie, sondern sie treten auch in den Gehirnen von Kranken mit anderen psychotischen Störungen wie manischer Depression auf.

Er vermutet daher, dass viele mentale Störungen mit denselben Veränderungen in der Struktur und den chemischen Prozessen im Gehirn beginnen. Erst später bilden sich dann die unterschiedlichen Formen der Krankheiten heraus. Damit könnte die Behandlung einer solchen Störung auch verhindern, dass sich eine andere Form von Psychose entwickeln kann, meint Sharma.

Je früher Schizophrenie erkannt wird, desto besser ist die Krankheit zu behandeln. Da sich die ersten Anzeichen anscheinend schon deutlich vor den ersten Symptomen zeigen, bietet sich nun vielleicht eine Möglichkeit, bereits rechtzeitig einzugreifen.

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