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News: Das große Fressen

Eigentlich richteten sich bei dem Bild des Hubble Space Telescope alle Blicke auf die spektakuläre Kaulquappen-Galaxie. Doch dann entdeckten Astronomen im Hintergrund das Drama vom Ende einer kleinen Galaxie.
Die KollisionLaden...
Die im Frühjahr 2001 montierte neue Kamera an Bord des Hubble Space Telescope hat selbst die größten Erwartungen übertroffen. Die Auflösung der ersten Bilder war noch besser als erwartet, und die NASA schwärmt gar von der Qualität eines Breitwandfilms. Und tatsächlich: Während handelsübliche Digitalkameras ihre Umgebung mit einigen Megapixeln abbilden, enthalten die neuen Hubble-Bilder etwa 16 Millionen Megapixel.

Dieser unglaublichen Auflösung ist es zu verdanken, dass Forscher im Hintergrund eines Bildes der Kaulquappen-Galaxie auf ein womöglich spektakuläres Detail stießen: dem Ende einer kleinen Galaxie. Allem Anschein nach fiel hier eine Zwerggalaxie den Schwerkräften einer großen Spiralgalaxie zum Opfer, und deutlich war zu erkennen, wie beide Galaxien durch eine perlschnurartige Spur von Sternen miteinander verbunden waren.

Doch noch waren die Forscher um Duncan Forbes von der australischen Swinburne University of Technology nicht sicher, ob die beiden Galaxien tatsächlich miteinander verbunden sind. Es konnte sich ja auch um eine optische Täuschung, sind in Wahrheit unterschiedlich weit entfernt und liegen nur zufällig auf einer Sichtlinie. Erst mithilfe der Spektrometer am W.M. Keck Observatory auf Hawaii war es ihnen schließlich möglich, die Entfernung beider Galaxien zu bestimmen.

Und tatsächlich sind die beiden genau gleich weit entfernt, sodass kaum ein Zweifel besteht: In zwei Milliarden Lichtjahren Entfernung spielt sich zwischen der großen und der kleinen Galaxie ein Drama ab.

Zwar war man sich bereits ziemlich sicher, dass auch im Universum die Großen die Kleinen fressen, jedoch haben die Astronomen noch nirgends beobachten können, wie eine mächtige Galaxie einer Zwergalaxie Sterne entreißt und im Begriff ist, sie sich einzuverleiben.

Dabei ist dieser Prozess für die Entwicklung von Galaxien und insbesondere deren Halos von großer Wichtigkeit. Sie umgeben die Galaxien - auch unsere Milchstraße - wie eine Hülle und bestehen überwiegend aus riesigen Wasserstoffwolken, in denen alte Sterne und Kugelsternhaufen sowie ein wichtiger Teil der ominösen Dunklen Energie treiben.

Bei der Simulation des Geschehens zeigte sich, warum ein solches Ereignis - obschon es einige Milliarden Jahre dauert - vermutlich nur selten zu beobachten ist. Denn selbst wenn eine Zwergengalaxie schon längst in Bann eines großen Sternsystems geraten ist, sind solche Sternenschnüre vergleichsweise kurzlebig und leuchten zudem nur schwach.

Doch wer weiß, was die neue Advanced Camera for Surveys noch alles offenbart. Zusammen mit seinen Kollegen will Forbes die Objektive jetzt vor allem auf jene Halos ferne Galaxien richten: "Wenn da irgendwo eine Zwerggalaxie zerrissen wird, werden wir es sehen."

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