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Paläobiologie: Das letzte Blutmahl einer fossilen Mücke

Fossile Mücke

Millionen Jahre altes Blut in einer Mücke: Im Film Jurassic Park finden Gentechniker darin DNA und nutzen sie, um Dinosaurier auferstehen zu lassen. Das ist allerdings nur in der Fantasie von Sciencefiction-Autoren möglich. Denn tatsächlich zerfällt das DNA-Molekül zu schnell, als dass es sich noch Millionen Jahre später exakt rekonstruieren ließe. Anders steht es aber mit dem roten Blutfarbstoff, der den Sauerstoff transportiert, meinen Ralph Harbach vom Natural History Museum in London und Kollegen vom National Museum of Natural History in Washington, D.C. Die Forscher haben den Mageninhalt eines Mückenweibchens untersucht, das vor 46 Millionen Jahren gestorben ist, und darin Bestandteile von Hämoglobin nachgewiesen.

Die Blutbestandteile im Magen des Mückenweibchens blieben offenbar so gut erhalten, weil das Insekt kurz nach dem Saugen ins Wasser fiel und auf dem Grund schnell von einem feinen, anaeroben Sediment eingeschlossen wurde. Dabei war der empfindliche, blutgefüllte Körper nicht beschädigt worden. Der seltene Fund beweist heute, dass es bereits vor 46 Millionen Jahren Blut saugende Insekten gab. Bislang lagen dafür nur indirekte Hinweise vor: So hatten Forscher 2005 Malariaerreger an den Speicheldrüsen einer fossilen Mücke entdeckt. Sie musste demnach ebenfalls Blut – und darin enthaltene Parasiten – gesaugt haben. Der Mageninhalt war allerdings nicht so gut konserviert wie beim aktuellen Fund.

Die nun untersuchte Mücke eröffnete den Forschern dagegen bessere Untersuchungsmöglichkeiten. Sie konzentrierten sich auf den Blutbestandteil Häm, der mit Hilfe des organisch-chemischen Porphyringerüstes Eisen bindet und den Sauerstofftransport ermöglicht. Mit Hilfe von energiedispersiver Röntgenspektroskopie zeigten die Wissenschaftler, dass der Magenbereich des Mückenweibchens rund achtmal so viel Eisen enthielt wie andere Teile des Tieres oder ein nicht Blut saugendes fossiles Männchen, das sie zum Vergleich heranzogen. Durch Massenspektrometrie konnten die Forscher schließlich auch Porphyrine nachweisen, die sich über 46 Millionen Jahre hinweg erhalten hatten.

An welchem Wirt die Mücke vor Millionen von Jahren gesaugt hat, ist unbekannt. Ein Dinosaurier dürfte es aber wohl kaum gewesen sein: Die sind schon vor rund 65 Millionen Jahren ausgestorben.

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