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Arktischer Ozean: Das letzte ewige Eis verschwindet

In einer Region des Nordmeers war das Eis trotz Hitzewellen und Klimawandel bis heute dauerhaft und undurchdringlich wie eh und je. Doch das ändert sich jetzt.
Das Arktis-Eis im Klimawandel

Der Klimawandel in der Arktis hat eine weitere symbolische Schwelle überschritten: Die letzte Bastion des ältesten und dicksten Meereises, dessen hausgroße Klippen sich seit Menschengedenken unverrückbar vor der Nordküste Grönlands stapelten, ist dieses Jahr gefallen – und zwar gleich zweimal. Schon im Februar und März 2018 öffnete sich eine Wasserfläche, wo vorher im Durchschnitt vier Meter dickes Eis auch im Sommer die Küste fest umklammerte. Bisher gingen Fachleute davon aus, dass dieses Eisgebiet das letzte »ewige« Eis des Nordpolarmeers sein würde – rund ums Jahr an der Küste festgefroren, selbst wenn das restliche Meereis im Sommer verschwindet. Nun zeigen Satellitenbilder, dass das Phänomen Anfang August erneut auftrat: Nach einer ungewöhnlichen Wärmeperiode trieb Wind das Eis wieder von der Küste weg.

Bereits im Frühjahr waren die Temperaturen ungewöhnlich hoch, bevor das Eis aufbrach – ein Indiz dafür, dass nicht allein ungewöhnliche Windbedingungen das Meereis von der Küste wegtrieben. Im Norden Grönlands sammelt sich das dickste und stabilste Eis, weil die Transpolardrift, ein großräumiges Muster der Eisbewegung, es dort an die Küste drückt. Bis zu 20 Meter dicke Presswälle bilden sich dort zwischen den aufgetürmten Schollen; das dicke Eis ist so stabil und unbeweglich, dass es auch im Sommer bisher nicht schmolz. Nun hat sich dieses stabile Paket aufgelöst. Vermutlich wird dadurch ein Teil des bisher für stabil gehaltenen mehrjährigen Eises schneller schmelzen. Fachleute fürchten auch um die Zukunft der Eisbären im Norden Grönlands, für die geschlossenes Meereis an der Küste Lebensgrundlage ist. Allerdings ist unklar, welche weitere Bedeutung das Ereignis hat: Bedeutet es, dass der Nordozean noch schneller als gedacht im Sommer eisfrei sein wird, weil das letzte mehrjährige Eis nun verschwindet – oder ist das offene Wasser an einem bislang ungeahnten Ort nur ein weiteres Symbol für den Wandel in der Arktis?

34/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 34/2018

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