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Paläontologie: Das traurige Ende der Megagans

Australien besaß einst eine riesenhafte Tierwelt, von der heute kaum mehr etwas übrig ist. Zumindest eine Art litt wohl darunter, dass ihre Eier schmackhaft waren.
Riesenechse jagt RiesenvogelLaden...

Mit einem Gewicht von bis zu 200 Kilogramm und einer Höhe von über zwei Metern konnte der australische Gänsevogel Genyornis newtoni – auch als Donnervogel bekannt – locker mit den heutigen Straußen mithalten. Doch machte ihn diese Größe womöglich auch zu einer begehrten Beute für die ersten menschlichen Siedler auf dem fünften Kontinent: Wahrscheinlich starb die Art vor 45 000 bis 47 000 Jahren aus, also relativ kurz nach der Ankunft der ersten Aborigines. Gleichzeitig änderte sich damals jedoch auch das regionale Klima. Australien wurde trockener und wärmer, weshalb sich Buschfeuer mehrten. Unklar ist deshalb, ob die Riesengänse wegen dieses Wandels ausstarben oder durch direkte Nachstellung. Gifford Miller von der University of Colorado in Boulder und seine Kollegen legen jedoch neue Beweise zumindest für eine gehörige Mitschuld der Jäger vor. Die Forscher hatten zahlreiche Eierschalenreste aus verschiedenen Landesteilen analysiert, datiert und auf Spuren von Feuereinwirkung untersucht.

Tatsächlich stammten alle Fragmente, die angekokelt oder verkohlt waren, aus einer Zeit zwischen 54 000 und 47 000 Jahren vor heute; keines davon war jünger. Mehrere Anzeichen sprachen dann dafür, dass sie in Feuerstellen gekocht wurden und nicht Buschbränden zum Opfer fielen. Bei einem natürlichen Feuer sollten die im Ei enthaltenen Bestandteile meistens kontinuierlich und komplett gekocht werden, entsprechend sollten die vorhandenen Aminosäuren auch im Ganzen betroffen sein. Stattdessen wiesen die Forscher in den Eierschalenresten wiederholt einen Gradienten nach, der typisch für gekochte Gelege ist und experimentell reproduziert werden kann. Er entsteht, wenn eine lokale Hitzequelle wie die Glut eines Lagerfeuers auf Eiweiß und -gelb einwirkt. Die angebrannten Reste lagen zudem meistens in gehäuften Ansammlungen, die weniger als drei Meter Durchmesser hatten, während sich außerhalb davon nichts fand. In manchen Lagerstätten waren die Eier zudem Hitzeunterschieden von bis zu 530 Grad Celsius ausgesetzt, was ebenfalls gegen Wildfeuer spricht, weil diese geringere Temperaturunterschiede bei einem Brand an einer Stelle entwickeln. Neben den Genyornis-Eiern fanden die Forscher zudem viele Überreste von Emu-Gelegen, die ebenfalls verzehrt worden waren. Diese Vögel haben allerdings bis heute überlebt.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen die Genyornis-Eier sammelten, sie dann im Feuer kochten und die Bruchstücke schließlich rund um das Lager verstreuten", so Miller. Immerhin stellten die Fortpflanzungsprodukte des Gänsevogels eine veritable Nahrung dar: Sie waren groß wie Zuckermelonen und wogen fast zwei Kilogramm. Allerdings ist bislang nicht zweifelsfrei erwiesen, ob alle Eier, die man dieser Art bislang zuschrieb, tatsächlich von Genyornis gelegt wurden. Die komplette Rekonstruktion eines vermeintlichen Genyornis-Eis ergab vor Kurzem, dass es für diese Art wohl zu klein war. Es stammte wohl eher von einer – ebenfalls ausgestorbenen – Großfußhuhnart. Mit der Riesengans verschwanden damals jedenfalls noch viele andere Mitglieder der australischen Megafauna; darunter ein 500 Kilogramm schweres Känguru, ein zwei Tonnen wiegender Wombat, Riesenechsen, Beutellöwen und autogroße Schildkröten. Nur selten finden sich jedoch wirklich gut erhaltene Überreste, da Australiens chemisch oft extreme Böden die Knochen rasch zersetzen.

05/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 05/2016

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