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Antarktis: Dauerhafter Föhn setzt dem Eis zu

Der Föhn ist aus den Alpen gut bekannt. Doch die warmen Fallwinde treten auch in der eisigen Antarktis auf. Und das sogar viel häufiger als gedacht.
Windiges Wetter in der AntarktisLaden...

Seit 1995 zerfielen zwei große Eisschelfe an der Ostseite der Antarktischen Halbinsel: 1995 Larsen A und 2002 Larsen B. Auch beim dritten großen Gebiet, Larsen C genannt, mehren sich die Zeichen für sein Ende, denn ein riesiger und wachsender Riss zieht sich durch seine Eisfläche. Einen der wichtigsten Einflussfaktoren für die Entwicklung des Eisschelfs haben Polarforscher des British Antarctic Survey (BAS) über einen Zeitraum von fünf Jahren beobachtet, wie Jenny Turton vom BAS auf der European Geosciences Union General Assembly berichtete: Intensive und sehr beständige Föhnwinde treiben die Auflösung des Eises voran. Sie kommen demnach häufiger und in einer viel größeren Region vor, als bislang bekannt war.

Die warmen Fallwinde treten ganzjährig auf, während des Frühlings und Sommers wehen sie allerdings an 65 Prozent aller Tage. Und sie setzen schon im September (dem Beginn des antarktischen Frühjahrs) verstärkt ein und damit drei Monate vor Beginn der eigentlichen sommerlichen Schmelzsaison. Das Tauwetter auf dem Eis beginnt damit ebenfalls früher und bereitet den Weg für einen intensiveren Verlust während des antarktischen Sommers. Als Hauptgrund für den Zerfall der mächtigen Eispakete gelten Risse und Spalten im Eis – wie gegenwärtig auf Larsen C beobachtet –, die vom Schmelzwasser geweitet und vertieft werden, bis gigantische Eisberge abgetrennt werden und auf das offene Meer hinausdriften. Der Föhn intensiviert das Tauen und sorgt damit dafür, dass noch mehr flüssiges Wasser auf dem Eis zirkuliert und den Zerfall antreibt: An Föhntagen wurden höhere Schmelzraten beobachtet als an Tagen ohne den Windeinfluss.

Als Nebeneffekt wurde erstmals auch ein Föhn auf 68,1 Grad südlicher Breite beobachtet – so weit südlich wie noch nie zuvor. Das muss allerdings kein neues Phänomen sein, denn Klimastationen sind in der Antarktis weiterhin rar, und dementsprechend fehlen aus vielen Ecken des Kontinents aussagekräftige Daten. Unklar ist deshalb auch, ob die Zahl der Föhntage zugenommen und deren Intensität sich über längere Zeiträume hinweg verstärkt hat. Gesichert ist jedoch, dass Fallwinde für Rekordtemperaturen auf der Antarktischen Halbinsel verantwortlich sind. Auf 17,4 beziehungsweise 17,5 Grad Celsius stieg das Thermometer an der argentinischen Forschungsstation Esperanza am 24. und 25. März 2015 als Folge eines starken Föhnsturms.

Die Antarktische Halbinsel gehört prinzipiell zu den Regionen, die sich weltweit während der letzten Jahrzehnte am stärksten erwärmt haben. Im Mittel ist sie heute um drei Grad Celsius wärmer als vor 50 Jahren. Diese Aufheizung hat dazu beigetragen, dass sich mittlerweile fast 90 Prozent aller Gletscher der Halbinsel zurückziehen und viele Schelfeisflächen auseinandergebrochen sind.

17/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 17/2017

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