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Medizin: Dauerlicht lässt Mäuse schneller altern

Was passiert, wenn man Tag und Nacht mit hellem Kunstlicht leben muss? Zumindest Nager verkraften das nicht besonders gut, zeigt nun ein Versuch. Gilt das auch für den Menschen?
Labormaus auf der Hand eines Forschers Laden...

Nager, die durchgängig hellem Kunstlicht ausgesetzt sind, altern offenbar schneller, wie ein Experiment von Wissenschaftlern um Johanna Meijer von der niederländischen Universität Leiden zeigt. Die Neurowissenschaftlerin und ihr Team hielten Mäuse 24 Wochen lang in einem Käfig, in dem diese sich zwar frei bewegen und schlafen konnten, aber rund um die Uhr in helles Licht getaucht waren. Mit Hilfe von Elektroden, die sie den Tieren zuvor ins Hirn implantiert hatten, überwachten die Forscher zudem die Aktivität jener Neurone, die den Takt für die körpereigene "Masterclock" vorgeben.

Diese Zellen, so beobachteten Meijer und Kollegen, gerieten durch die ständige Helligkeit zunehmend aus dem Tritt und begannen, unregelmäßige Signale zu senden. Daraufhin durchlebten die Tiere einen Tagesrhythmus, der nicht mehr rund 24 Stunden lang war, sondern 25,5 Stunden. Ihr Immunsystem schüttete vermehrt entzündungsfördernde Stoffe aus, ihre Knochendichte nahm ab und die Muskeln schwächelten – die Nager entwickelten also typische Alterserscheinungen, wie sie bei Mensch und Tier in den späten Lebensjahren zu beobachten sind. Die Gesundheitsprobleme besserten sich wieder, wenn die Forscher den Mäusen gestatteten, im Dunklen zu schlafen.

Die Ergebnisse könnten ein Hinweis darauf sein, dass zu viel Licht auch für Menschen schädlich ist – immerhin wird es durch Straßenbeleuchtung und Leuchtreklamen vor allem in Großstädten nachts kaum noch richtig dunkel. Bereits in der Vergangenheit konnten Studien belegen, dass Schichtarbeiter oder Menschen, die in der Nacht hellem Licht ausgesetzt sind, häufiger mit Gesundheits- und Schlafproblemen kämpfen. Experten wenden allerdings auch ein: Die Dauerbestrahlung in Meijers Experiment war so extrem, dass unklar ist, inwiefern sich die Ergebnisse auch wirklich auf menschliche Verhältnisse übertragen lassen. Man müsse den Versuch eigentlich mit einer differenzierteren Abstufung der Beleuchtung wiederholen, um übertragbarere Ergebnisse zu erhalten.

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