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Fettsucht: Dauerstress macht Nager dick

Bei Versuchen an Mäusen haben Forscher in den USA einen Mechanismus gefunden, durch den Stress in Pfunde umgesetzt wird. Durch Blockade eines verantwortlichen Rezeptormoleküls konnten die Wissenschaftlern ihren Nagern sogar eine Schlankheitskur verordnen.

Die Forscher um Zofia Zukowska von der Universität Georgetown hatten die Nagetiere verschiedenen Szenarien ausgesetzt, wie sie auch in freier Wildbahn vorkommen können. So mussten einige von ihnen über zwei Wochen hinweg täglich eine Stunde in einer kalten Pfütze stehen, andere wurden dem Terror eines Alpha-Mäuserichs ausgesetzt. Ergänzt wurden diese Studien durch Diätvariationen.

Die Forscher beobachteten, dass gestresste Mäuse mit hoher Kalorienzufuhr doppelt so dick wurden, wie sie bei dieser Diät eigentlich werden sollten. Das Fett sammelte sich dabei ausschließlich in ihrer Bauchregion.

Der molekulare Weg zum Übergewicht wird der Studie zufolge durch zwei Faktoren bestimmt: das bei Stress ausgeschüttete Neuropeptid Y (NPY), ein Botenstoff, aktiviere den Rezeptor Y2R an zwei Stellen im Fettgewebe: in den Endothelzellen der Blutgefäße und den Fettzellen selbst. Die Zellen würden dadurch zum Wachstum und Teilung angeregt.

Weitere Versuche zeigten, dass Y2R-Blocker sowohl Gewichtszunahme, Apfelfigur und die damit einhergehenden Folgen für die Gesundheit vermeiden. Um die Gewichtszunahme bei den Mäusen zu manipulieren, hatten die Forscher die Y2R-Fettbremse direkt ins Bauchfett der dicken Mäuse gespritzt und damit den Fettabbau an Ort und Stelle eingeleitet.

Möglicherweise erkläre die Studie auch, warum Menschen unter Dauerstress an Gewicht zulegten, ohne dass dies durch ihre Nahrungsaufnahme nachvollziehbar wäre. Immerhin scheint – wie andere Studien bereits gezeigt haben -bei Affen ein ähnlicher Mechanismus vorzuliegen. Auch beim Menschen könnte die Anhäufung von Stressfaktoren wie Streit mit dem Chef im Arbeitsleben oder Stau im Straßenverkehr als Verstärker einer kalorienreichen Ernährung wirken. (bf)
04.07.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 04.07.2007

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