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Kunst: Dem Fälscher auf der Spur

Echt oder Kopie? Für einen Kunstsammler ist diese Frage entscheidend - und nicht immer leicht zu beantworten. Vor allem, weil bereits die Maler der Renaissance das einträgliche Geschäft mit ihrer Kunst erkannten und die Werke ihrer Schüler als vermeintliche Originale produzieren ließen. Doch der Computer kann diese Nachahmer überführen.
Perugino
Die Päpste der Renaissance gelten nicht gerade als Vorbild sittsamer Tugend, doch als Förderer der Kunst haben sie die Kulturgeschichte Europas entscheidend geprägt. Ihre Bauwut gab vielen Künstlern Lohn und Brot – wie beispielsweise auch Pietro di Cristoforo Vannucci (1445/48-1523): Er gehört – neben Michelangelo und Botticelli – zu den Meistern, welche die Sixtinische Kapelle ausschmücken durften und galt seiner Zeit als berühmtester Maler Italiens.

"Il Perugino", wie er sich nach seinem Geburtsort Perugia nannte, erkannte schnell das profitable Geschäft mit seiner Kunst und startete in seinen Ateliers mit Hilfe seiner Lehrlinge eine wahre Massenproduktion – zum Leidwesen heutiger Kunsthistoriker. Denn dadurch ist es schwierig zu beurteilen, ob ein Gemälde tatsächlich von der Hand des Meisters stammt oder "nur" von einem seiner vielen Schüler – wozu auch ein gewisser Raffael zählte.

Bei Kopien – oder gar Fälschungen – aus späteren Jahren kann die moderne Technik weiterhelfen. Die chemische Analyse der Farbpigmente hat schon so manches vermeintliche Meisterwerk als gelungenes Plagiat überführt; und auch moderne Wasserzeichen im Papier, die es zu Lebzeiten des Künstlers noch gar nicht gab, sprechen eine deutliche Sprache. Bei alten Kopien versagen jedoch diese Methoden – abgesehen davon, dass es nicht jeder Kunstsammler gerne sieht, wenn an seinen Schätzen herumgeschabt wird.

Zusammen mit Daniel Rockmore und Hany Farid versuchte Siwei Lyu vom Dartmouth-College einen anderen Weg für die Kunstanalyse. Die Computerexperten machten sich zu Nutze, dass jeder Maler seinen Pinsel oder Zeichenstift auf charakteristischer Art und Weise zu führen pflegt. Im Strichmuster des Bildes schlägt sich – wenn auch fürs Auge nicht immer erkennbar – die typische Handschrift des Meisters nieder.

Der flämische Renaissance-Maler Pieter Bruegel der Ältere (1525/30-1569), der eine ganze Maler-Dynastie begründete und dessen Werk ebenfalls oft kopiert wurde, sollte den Forschern die Tauglichkeit ihrer Methode unter Beweis stellen. Im New Yorker Metropolitan Museum of Art scannten sie 13 Gemälde ein, wovon acht als authentische Bruegel-Werke gelten, während fünf bereits als Kopien überführt worden sind. Der Computer analysierte die Bilder Punkt für Punkt – und konnte tatsächlich bei den echten Bruegel-Bildern Ähnlichkeiten aufspüren, die den Imitaten fehlten.

Perugino: "Madonna mit Kind" | Die Computeranalyse des Gemäldes "Madonna mit Kind" von Perugino (oben) offenbart charakteristische Unterschiede in der Pinselführung (unten): Während die Gesichter 1 bis 3 ähnliche Charakteristika aufweisen und daher vom gleichen Maler – höchst wahrscheinlich von Perugino selbst – geschaffen worden sind, fallen die Gesichter 4, 5 und 6 deutlich aus dem Rahmen. Hier haben vermutlich drei Schüler das Werk des Meisters ergänzt.
Nun folgte das eigentliche Experiment: Aus dem Hood Museum of Art in Hanover liehen sich die Forscher das Gemälde "Madonna mit Kind" aus – eines der vielen Madonna-Darstellungen, die Perugino geschaffen haben soll. Und die Analyse der dargestellten Gesichter brachte es an den Tag: Das Bild stammt tatsächlich aus der Hand des Meisters – aber nur zum Teil. Während Madonna und zwei der vier abgebildeten Heiligen von einer einzigen Person gemalt worden sind – höchst wahrscheinlich von Perugino selbst –, fallen die Pinselstriche beim Jesuskind und den beiden anderen Figuren aus dem Rahmen. Hier haben offensichtlich drei Schüler das Werk des Meisters vollendet; das Kunstwerk scheint demnach eine Gemeinschaftsproduktion von mindestens vier Malern zu sein.

Die Wissenschaftler wollen mit ihrer Computermethode Kunstsachverständige nicht gleich in die Arbeitslosigkeit schicken. "Das wird niemals das letzte Wort bei der Authentifizierung sein", betont Rockmore, sondern nur ein effektives Hilfsmittel. Untersuchungsmaterial gäbe es zur Genüge – streiten sich doch Kunsthistoriker bei etlichen Meisterwerken, wie beispielsweise von Rembrandt, heftigst um die wahre Urheberschaft.

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