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News: Dem Wetter die Sterne gedeutet

'Strahlen im Juni die Plejaden hell, pflanze die Kartoffeln schnell.' Seit jeher handeln Bauern in den Anden nach dieser Maxime und freuen sich über ertragreiche Ernten. Daß hinter den Sterndeutungen mehr als nur Bauernschläue steckt, wurde jetzt auch wissenschaftlich untermauert: Leuchten die Sternenhaufen der Plejaden nur gedämpft, steht offenbar ein regenarme Zeit bevor.
Frisch gesetzte Kartoffeln reagieren äußerst empfindlich auf Trockenheit. Daher versuchen die Andenbauern, den Zeitpunkt der Pflanzung auf den Beginn der Regenzeit im Oktober zu legen. Um den Termin der ersten Regenfälle genau zu bestimmen, schauen die Bewohner des Altiplanos im Juni kurz vor der Morgendämmerung zum östlichen Horizont. Erscheinen die Sterne der Plejaden nur schwach und außerdem ein bis zwei Tage später als gewohnt, dann verschieben die Bauern das Setzen der Kartoffeln um vier bis sechs Wochen. Bloßer Aberglaube? Oder traditionelles Wissen der Inka?

Der Anthropologe Ben Orlove und seine Mitarbeiter von der University of California, Davis, wiesen jetzt wissenschaftlich nach, daß diese Praxis auf sehr sorgfältigen Beobachtungen basiert (Nature vom 6. Januar 2000). Sie verglichen die atmosphärischen Meßdaten des International Satellite Cloud Climatology Project (ISCCP) über den Zentralanden mit den Ernteerträgen dieser Region und entdeckten Erstaunliches: Mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbare Cirruswolken verschleierten den Sternenhimmel im Juni dann besonders oft, wenn in der Folgezeit das Klimaphänomen El Niño in den Anden für Trockenheit sorgte. Es sei keine perfekte Korrelation, läßt Orlove wissen, aber auf jeden Fall mehr als ein Zusammentreffen von Zufällen.

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