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Soziobiologie: Den kenn ich doch!

Oxytozin verbessert unsere Fähigkeit, bekannte Gesichter wiederzuerkennen.
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Der Botenstoff Oxytozin ist aus unserem Sozialleben nicht wegzudenken. Er stärkt das Vertrauen zu anderen und erleichtert es uns, deren Mienenspiel zu lesen. Ob das Hormon auch hilft, Gesichter im Gedächtnis zu behalten, wollten nun Ulrike Rimmele und ihre Kollegen von der Universität Zürich herausfinden.

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"Hallo, mein Freund!" | Je höher der Oxytozinspiegel im Gehirn, umso leichter geht uns das über die Lippen.
Die Forscher luden 41 junge Männer in ihr Labor ein. 22 von ihnen sprühten sie eine Dosis Oxytozin in die Nase, die anderen erhielten ein Scheinmedikament. Danach betrachteten die Probanden in rascher Abfolge insgesamt 168 Schwarzweißfotos – zur Hälfte Gesichter, zur anderen Hälfte Bilder von Landschaften, Hausfassaden und Skulpturen. 24 Stunden später durften die Versuchsteilnehmer dann noch einmal Bilder gucken: Neben den bereits am Vortag gesehenen waren es nun auch 72 neue – wiederum zur Hälfte Gesichter. Per Knopfdruck musste jeder entscheiden: Kann ich mich an das Bild genau erinnern, kommt es mir zumindest vage bekannt vor – oder ist es neu?

Die Auswertung ergab: Unter Oxytozin-Einfluss erkannten die Probanden bekannte Gesichter deutlich öfter wieder als die Personen in der Kontrollgruppe. Dabei war es egal, ob es sich um männliche oder weibliche Gesichter handelte oder wie attraktiv diese zuvor eingeschätzt wurden. Bei den leblosen Gegenstände hingegen trat der gedächtnisfördernde Effekt nicht zu Tage.

Der Unterschied zwischen "Kenn ich!" und "Kommt mir bekannt vor!" offenbarte, worauf die gesteigerten Merkleistung vermutlich beruhte: Die Oxytozin-Gedopten waren zwar nicht besser darin, sich an gesehene Antlitze exakt zu erinnern – sie stuften diese aber eher als vertraut ein! Fazit: Oxytozin fördert das Gefühl von Bekanntheit. (cw)


Rimmele, U. et al.: Oxytocin Makes a Face in Memory Familiar. In: Journal of Neuroscience 29(1), S. 38-42, 2009.

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