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News: Den radioaktiven Abfall durch die 'Kernmühle' drehen

Nach wie vor umstritten ist der Umgang mit dem radioaktiven Müll aus Kernkraftwerken. Um die langen Halbwertszeiten der strahlenden Abfälle zu umgehen, wollen schweizer Forscher die Atome durch Neutronenbeschuß in weniger gefährliche Elemente umwandeln. Die Technik soll nach ihren Angaben nicht nur ungefährlich sein, sondern sogar mehr Energie liefern, als sie verbraucht.
Langlebige Zeitbomben wollen die Forscher des European Laboratory for Particle Physics CERN in Genf in relativ harmlose Stoffe umwandeln – mit Hilfe eines High-Tech-Gerätes namens "Transmutationsanlage" oder schlicht "Kernmühle". Gemeint ist ein Teilchenbeschleuniger, der aus Atommüll stabile Substanzen macht oder wenigstens Elemente, die in Jahrzehnten zerfallen und nicht erst in Jahrmillionen. Das Prinzip beschreibt Carlo Rubbia von CERN so: "Wir erzeugen einen Strahl aus schweren Protonen und schießen diese auf einen Kessel mit geschmolzenem Blei. Die Protonen bringen die Bleiatome dazu, Neutronen abzuspalten. Mit diesen Neutronen nun bestrahlen wir das Material, das wir umwandeln wollen, Plutonium zum Beispiel. Die Neutronen sind so etwas wie schnelle Projektile oder Gewehrkugeln, die das Plutonium spalten können."

Die schnellen Neutronen können selbst die Stoffe noch spalten, die normalerweise im Reaktor übrigbleiben – langlebige Isotope von Plutonium oder Jod zum Beispiel. Auch Waffenplutonium könnte die Kernmühle in andere Elemente regelrecht zermahlen. Das Prinzip funktioniert, das haben die Forscher bereits im Labormaßstab demonstriert, indem sie einige Milligramm Plutonium zerstrahlten, und auch der Bauplan für den Prototypen einer Kernmühle steht schon. Die Anlage würde nach Auskunft der Experten mehr Energie erzeugen als sie selbst verbraucht und könnte demnach auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten interessant sein.

Mit Sicherheit ausschließen kann Carlo Rubbia die Gefahr einer Kernschmelze wie in Tschernobyl: " Wir schalten den Beschleuniger aus und die Kernreaktion ist zu Ende. Eine Kettenreaktion ist damit ausgeschlossen." Probleme bereiten Rubbia noch einige technische Details, vor allem aber die Frage, wo er den vergleichsweise moderaten Betrag von 250 bis 500 Millionen Mark für den Prototypen auftreiben soll.

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