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Vernachlässigung: Ungeliebt als Kind, depressiv als Erwachsener

Damit sich ein Kind gesund entwickeln kann, braucht es die Liebe und Zuneigung seiner Eltern. Lieblosigkeit zu erfahren, ist ein Risikofaktor für Depressionen.
Eine traurige Jugendliche sitzt allein mit gesenktem Kopf auf einer Treppe

Wer sich als Kind von den Eltern nicht geliebt fühlte, erkrankt im Erwachsenenalter eher an einer Depression. Das ist das Ergebnis einer Längsschnittstudie mit mehr als 5000 repräsentativ ausgewählten Jugendlichen in den USA. Wie das Team um den Gesundheitsforscher Manik Ahuja von der East Tennessee State University berichtet, kann ein Mangel an liebevoller Zuwendung ebenso Spuren in der Psyche hinterlassen wie andere, bekannte Risikofaktoren, darunter Misshandlung und sexueller Missbrauch.

Rund 16 Prozent der Befragten gaben im Alter von Mitte 20 bis Anfang 30 an, dass bei ihnen schon einmal eine Depression diagnostiziert wurde. Ungefähr ebenso viele berichteten, sich als Jugendliche oft unerwünscht und nicht geliebt gefühlt zu haben, und doppelt so viele (30 Prozent) hatten dieses Gefühl manchmal erlebt. Wer sich oft so gefühlt hatte, hatte ein dreimal höheres Risiko für eine spätere Depression. Tauchte das Gefühl nur manchmal auf, war das Risiko immer noch um den Faktor 1,6 erhöht.

Das Studiendesign erlaubt zwar keinen Rückschluss auf Ursache und Wirkung. Doch auch zahlreiche andere Befunde lassen längst keinen Zweifel mehr daran, dass die Kindesentwicklung wesentlich von einer liebevollen Beziehung zu den primären Bezugspersonen abhängt. Studien bestätigten weltweit: Ob sich ein Kind von den Eltern akzeptiert oder abgelehnt fühlt, beeinflusst sein weiteres Wohlergehen. Die Folgen von Vernachlässigung lassen sich beispielsweise im Gehirn nachweisen, unter anderem im Hippocampus. »Vernachlässigung« bedeutet, dass es den Eltern nicht gelingt, die Bedürfnisse des Kindes zu erfüllen. Dazu gehört, für sein psychisches Wohlbefinden zu sorgen – ihm das Gefühl zu geben, akzeptiert und geliebt zu werden.

Womöglich sei ein liebloses Verhalten nicht immer beabsichtigt, geben die Forschenden zu bedenken. Sie empfehlen zu untersuchen, wie genau Eltern ihren Kindern das Gefühl geben können, geliebt zu werden. Denn das sei womöglich gar nicht so leicht – vor allem, wenn die Eltern »die Sprache der Liebe« selbst niemals gelernt hätten. Umso wichtiger sei es, ihnen die möglichen Folgen für ihre Kinder vor Augen zu führen.

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