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Im Medizinschrank: Johanniskraut, gute Laune aus gelben Blüten

Häufig wird Johanniskraut als pflanzliches Antidepressivum angewendet. Wann tritt die Wirkung ein? Was sollten diejenigen beachten, die Tabletten, Tropfen oder Dragees damit nehmen?
Obwohl die Studienlage unklar ist, empfehlen Ärzte Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen.Laden...

Tabletten gegen Kopfweh und Magenschmerzen, Salben für Brandwunden und Sportverletzungen – eine ordentliche Hausapotheke ist umfassend ausgestattet. Doch was für Wirkstoffe stecken eigentlich in den Medikamenten? Welche Mittel helfen wirklich, was ist umstritten? Und gibt es vielleicht eine gesündere Alternative? Wir werfen regelmäßig einen Blick auf die Mittel im Medizinschrank. Dieses Mal: Johanniskraut.

Wie viele haben das zu Hause?

Mit frei verkäuflichen Stimmungsaufhellern, Schlaf- und Beruhigungsmitteln machen Apotheken nicht ihr Hauptgeschäft. Doch an solchen Mittel, zu denen auch Johanniskraut-Präparate zählen, lässt sich durchaus verdienen: 281,5 Millionen Euro Umsatz brachten sie 2019 – aus 22,7 Millionen verkauften Packungen.

Wie wirkt das und wie gut?

Echtes Johanniskraut findet sich in Tabletten, Tropfen, Kapseln, Tinkturen oder Dragees. Die Hauptwirkung schreiben Pharmakologen dem Stoff Hyperforin zu, der sich in Stempel und Früchten der Pflanze ansammelt. Er hemmt wahrscheinlich – wie manches Antidepressivum – im Gehirn die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin. Obwohl die Studienlage unklar ist, empfehlen Ärzte Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren Depressionen. Bei schweren nicht, weil dafür der Wirknachweis fehlt. Von Produkten aus der Drogerie rät das Verbraucher­magazin »Ökotest« ab und empfiehlt lediglich solche aus der Apotheke: Nur sie sind hoch genug dosiert. Bis die Wirkung eintritt, vergehen meist Wochen. Johanniskraut ist auch als Öl erhältlich, das bei kleinen Wunden und leichten Verbrennungen die Heilung der Haut unterstützen soll. Die Wirkweise ist hier allerdings nicht geklärt.

Die perfekte Hausapotheke

  • Hinein sollten auf jeden Fall: sterile Kompressen, Mullbinden, Verbandpäckchen und -watte. Ebenso diverse Pflaster, ein Dreiecktuch und Klammern, um Verbände festzustecken. Zudem ist es sinnvoll, eine Schere, ein Fieberthermometer, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel parat zu haben.
  • Hilfreich sind die Regeln für erste Hilfe und eine Liste mit den wichtigsten Rufnummern (112, ärztlicher und zahnärztlicher Bereitschaftsdienst, Apothekennotdienst). In einer Notsituation vergisst man solche Nummern schnell.
  • Standardmedikamente sind Mittel gegen Herpes, Sodbrennen, Magenschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, Fieber, Halsweh, Kopfschmerzen. Ebenso ratsam: Salben, die Brand- oder Sportverletzungen lindern.
  • Verschreibungspflichtige Arzneien wie zum Beispiel Blutdruckmittel oder Opiate gehören hingegen nicht in die Box.
  • Dunkel, kühl und trocken – so ist der perfekte Ort für die Hausapotheke. Bestenfalls steht sie also im Schlafzimmer oder Flur, nicht im Bad oder in der Küche.
  • Um Kinder zu schützen, sollte die Box abschließbar sein.
  • Für was war das noch gleich? Notizen auf der Verpackung und die Beipackzettel helfen.
  • Und wichtig: Prüfen Sie mindestens einmal im Jahr, ob noch alles drin und haltbar ist.

Was sind häufige Nebenwirkungen?

Es ist zu lesen, Pflanzliches wäre nebenwirkungsarm. Das stimmt nicht. Hypericin, das die Johanniskraut-Blüten gelb färbt, macht lichtempfindlich. Mancher bemerkt Magenbeschwerden und Müdigkeit. Zu warnen ist außerdem vor den Wechselwirkungen: Johanniskraut schwächt Gerinnungshemmer, Aids- und Asthmamittel, manches Herzmedikament, Blutfettsenker und die Antibabypille. Niemals sollte man es mit Antidepressiva, Immunsuppressiva oder Zytostatika kombinieren. Schwangere, Stillende und Kinder verzichten besser auf das Kraut.

Was ist die Alternative?

Verschiedene Heilpflanzen gelten als Alternative, obwohl Wirknachweise fehlen. Lavendel soll wie Melisse eine beruhigende Wirkung haben, Baldrian den Schlaf fördern und Passionsblume möglicherweise angstlösend wirken.

Wann sollte man doch zum Arzt gehen?

Ständige Müdigkeit, Lustlosigkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Reizbarkeit gelten als Anzeichen einer Depression. Betroffene sollten einem Arzt davon berichten. Wer unschlüssig ist, kann für eine erste Orientierung den Selbsttest der Stiftung Deutsche Depressionshilfe machen.

Alle Teile der Serie finden Sie auf der Sammelseite »Im Medizinschrank«.

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