Energiekrise im Körper: Depressionen bringen Mitochondrien ans Limit

Menschen mit Depressionen leiden häufig unter starker Erschöpfung – selbst ohne körperliche Belastung. Ein Forschungsteam aus Australien und den USA liefert nun Hinweise auf mögliche Ursachen: Die Mitochondrien von Menschen mit Depressionen arbeiten schon im Ruhezustand ungewöhnlich intensiv. Dadurch fehlt ihnen die Fähigkeit, bei zusätzlichem Stress ihre Energieproduktion angemessen zu erhöhen.
Das Team untersuchte junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren mit einer diagnostizierten Depression und verglich sie mit gesunden Kontrollprobanden. Es nutzte dabei ein Verfahren namens 31P-Magnetresonanzspektroskopie, um die Konzentration von Adenosintriphosphat (ATP) im Gehirn zu bestimmen. ATP ist der zentrale Energieträger der Zellen: Die Mitochondrien produzieren es fortlaufend und stellen damit den »Brennstoff« bereit, den der Körper für zahlreiche molekulare und zelluläre Funktionen benötigt. Zusätzlich analysierte die Gruppe anhand von Blutproben die Energiebilanz bestimmter Immunzellen.
Das Ergebnis: Die Mitochondrien im Gehirn depressiver Versuchspersonen stellten im Ruhezustand viel mehr ATP her als die im Gehirn der Kontrollprobanden. Auch die Immunzellen enthielten in Ruhe mehr ATP als bei Gesunden. In beiden Fällen hing die Menge des Energieträgers eng mit dem Ausmaß der empfundenen Erschöpfung zusammen: Je stärker diese gemäß der Fatigue Severity Scale war, desto mehr ATP lag vor.
Behandelten die Forscherinnen und Forscher die Blutproben mit speziellen mitochondrialen Stressoren, reagierten die Zellen der depressiven Probanden allerdings weniger flexibel und erreichten keine höhere Leistung – anders als die Zellen der gesunden Kontrollpersonen. Das Team schloss daraus, dass die Mitochondrien der Erkrankten bereits nahe am Limit laufen.
Dieses Muster könnte typische Symptome der Depression erklären: Wenn Zellen bereits im Ruhezustand sehr viel Energie verbrauchen, bleibt in Phasen geistiger oder emotionaler Anforderung wenig Spielraum. Das löst womöglich jene Antriebslosigkeit und Erschöpfung aus, unter denen Menschen mit Depressionen häufig leiden, mutmaßen die Autoren der Studie.
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