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DMT: Hochpotentes Psychedelikum wirkt antidepressiv

Eine einzige Infusion des bewusstseinsverändernden Stoffs DMT kann eine Depression innerhalb weniger Tage deutlich lindern. Der Effekt hält teils Monate an.
Eine surreale Szene zeigt eine Landschaft mit violettem Gras und einem Fluss, der in der Mitte verläuft. Im Hintergrund erhebt sich eine große, rosa Wolke, davor wie eine Tür ein transparenter, rechteckiger Rahmen. Der Himmel ist in Pastelltönen gehalten, was eine traumähnliche Atmosphäre erzeugt.
DMT wirkt kürzer und intensiver als LSD. Es ist bekannt für die schillernden Trugbilder, die es heraufbeschwört.

Intravenös verabreichtes Dimethyltryptamin (DMT) kann die Symptome einer Depression stark reduzieren. Der Effekt des Psychedelikums, das oft Teil schamanischer Rituale ist, setzt rasch ein und hält bei vielen Erkrankten über mehrere Monate an. Das zeigt eine Studie, die im Fachblatt »Nature Medicine« erschienen ist.

Ein Team um den Psychiater und Neurowissenschaftler David Erritzoe vom Imperial College London untersuchte in einer doppelblinden, randomisierten Studie 34 Erwachsene mit mittelgradigen bis schweren Depressionen. 17 erhielten ein Placebo, 17 eine Infusion mit 21,5 Milligramm DMT über zehn Minuten. Zwei Wochen später bekamen alle DMT angeboten. Einige der Probanden erhielten somit insgesamt zwei Dosen.

DMT ist der Hauptwirkstoff von Ayahuasca, einem in Südamerika seit Jahrtausenden zu Heilzwecken genutzten Gebräu. Der Besitz und Handel von DMT ist hierzulande wie in vielen Ländern verboten. Die Gabe war in der Studie eingebettet in ein psychotherapeutisches Rahmenprogramm. Vor der Infusion fanden vorbereitende Gespräche statt. Die Verabreichung selbst erfolgte in einem geschützten Setting mit Augenmaske, Musik und professioneller Begleitung. Im kurzen, aber intensiven DMT-Rausch hatten die Erkrankten starke Emotionen und teils mystische Erfahrungen. In den Tagen danach sollten weitere Sitzungen helfen, das Erlebte einzuordnen.

Altes Wissen als neue Blitztherapie

Das Ergebnis: Nach zwei Wochen war der Depressivitätswert in der DMT-Gruppe signifikant mehr gesunken als unter Placebo. Statistisch handelt es sich um einen starken Effekt – in der Größenordnung der Wirkung von Konfrontationstherapie bei Phobien. 44 Prozent sprachen nach einer Woche nach gängigen Kriterien auf die Therapie mit DMT an gegenüber 6 Prozent in der Placebogruppe. Auch nach einem halben Jahr hatten bei rund 40 Prozent der Behandelten die Symptome immer noch nachgelassen.

Unerwünschte Effekte waren mild bis moderat, etwa Schmerzen an der Infusionsstelle, Übelkeit oder vorübergehende Angst. Allerdings war die Stichprobe klein, und das Einsetzen oder Ausbleiben des Rausches ließ schnell erkennen, wer das Placebo und wer das DMT erhalten hatte.

Andere Psychedelika wie LSD oder Psilocybin haben in Untersuchungen bereits einen Nutzen bei Depressionen gezeigt. Größere und längerfristige Studien müssen nun klären, wie belastbar die Ergebnisse sind, für wen sich eine DMT-Behandlung eignet – und wie sie sich im direkten Vergleich zu etablierten Therapien schlägt.

  • Quellen
Erritzoe, D. et al., Nature Medicine 10.1038/s41591–025–04154-z, 2026

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