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Echoortung: Der akustische Lockruf der Fleisch fressenden Kannenpflanze

Fleisch fressende Kannenpflanzen mit außergewöhnlichem Trick: Sie machen Fledermäuse auf sich aufmerksam, indem sie deren Laute akustisch reflektieren.
Fledermaus im AnflugLaden...

Bunter, größer, duftender. Die Pflanzenwelt greift tief in die Trickkiste, um die Aufmerksamkeit von Bestäubern zu erhaschen. Auch Fleisch fressende Pflanzen blenden mit äußeren Reizen, um Beutetiere in ihre Falle zu locken. Doch eine in Borneo wachsende Kannenpflanze kann mit ihren spärlichen optischen Vorzügen nur schwer Insekten fangen. Um diesen Makel auszugleichen, entwickelte sie eine neue Strategie: Die Rückwand ihrer "Kanne" wirkt wie ein Reflektor, der die Ultraschallrufe von Fledermäusen aus verschiedenen Richtungen zurückwirft. Wissenschaftler um Michael Schöner der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald fanden heraus, dass die Pflanze so akustisch aus dem dichten Gestrüpp hervorsticht.

Unterschlupf gegen DüngerLaden...
Unterschlupf gegen Dünger | Von ihrem gemeinsamen Arrangement profitiert die Fledermaus ebenso wie die Kannenpflanze. Ein akustischer Trick hilft dem Flugsäuger die Pflaze aufzuspüren.

Die Art lockt die Fledermäuse jedoch nicht an, um sie zu verspeisen. Vielmehr bietet sie den Flugsäugern in ihrem Inneren einen kühlen Schutzraum, den die Tiere auch als Plumpsklo nutzen. Denn dieses Geschäft auf Gegenseitigkeit bringt den Pflanzen mehr als ein Drittel des Stickstoffs ein, den sie zum Wachstum benötigen.

Nepenthes hemsleyana und die Hardwick-Wollfledermaus sind relativ seltene Arten. Wie können sie im dichten Regenwald trotzdem zueinander finden? Eine ganz andere Pflanze aus Südamerika brachte die deutschen Forscher auf die richtige Spur. Die Blumen reflektieren mit ihren scheibenförmigen Blütenblättern die hochfrequenten Rufe von Fledermäusen besonders gut. Um zu überprüfen, ob derselbe Mechanismus bei den asiatischen Kannenpflanzen greift, stellten Schöner und seine Kollegen einen künstlichen Fledermauskopf mit technischer Ausstattung in der Nähe des Gewächses auf. Der nachgebildete Kopf ahmte nicht nur die Rufe der Fledermäuse nach, sondern registrierte auch deren Echo. Und tatsächlich: Beide Pflanzen machen sich in gleicher Weise akustisch bemerkbar.

Die Studie zeigt, dass die Rückwand von N. hemsleyana Ultraschalllaute aus den verschiedensten Positionen und Winkeln zurückwirft. Egal aus welcher Richtung die Fledermaus also anfliegt, stets kann sie ihr Pflanzenklo ausfindig machen. Verhaltensbeobachtungen ergaben, dass die Flugmäuse gut versteckte Kannenpflanzen mit intakten Reflektoren erheblich leichter zu entdecken scheinen. Manipulieren die Forscher hingegen die reflektorischen Wegweiser, wählte die Fledermaus die Fleisch fressende Pflanze deutlich seltener als stilles Örtchen.

27/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 27/2015

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