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News: Der 'Alternative Nobelpreis' 1998

Die internationale Jury hat entschieden, daß der Right Livelihood Award dieses Jahr an vier Gruppen oder Einzelpersonen geht: Das 1979 gegründete International Baby Food Action Network (IBFAN), die erste internationale, von Bürgern getragene Einrichtung ihrer Art; den Medizinprofessor Samuel Epstein aus den USA; Juan Pablo Orrego und seine Grupo de Acciónpor el Biobío (GABB) in Chile sowie Katarina Kruhonja und Vesna Terselic aus Kroatien und ihre Organisationen Center for Peace, Non-Violence and Human Rights in Osijek bzw. die Anti-War Campaign of Croatia in Zagreb. Die Preise werden am 9. Dezember im schwedischen Parlament in Stockholm überreicht.
Der Right Livelihood Award (engl.:„Auszeichung für die richtige Lebensweise") – in Deutschland besser bekannt unter der Bezeichnung Alternativer Nobelpreis – wird an Menschen oder Projekte vergeben, die sich bemühen, praktische und beispielhafte Lösungen zu drängenden Fragen des Umweltschutzes, der Entwicklungshilfe, der Menschenrechte oder der Friedensforschung zu finden. Er wurde 1981 von dem deutsch-baltisch-schwedischen Journalisten Jakob von Uexküll ins Leben gerufen, weil die traditionellen Nobelpreise seiner Meinung nach wichtige Problembereiche nicht ausreichend berücksichtigen. Während die Right Livelihood Award Foundation sowie die von ihr vergebenen Preise in den ersten Jahren aus dem Verkaufserlös von Uexkülls Briefmarkensammlung finanziert wurden, tragen heute Spenden die Stiftung.

International Baby Food Action Network (IBFAN)

Das IBFAN wird ausgezeichnet "für seine fast 20 Jahre andauernden engagierten und effektiven Kampagnen für das Recht der Mütter, ihre Babys zu stillen, im vollen Wissen um die gesundheitlichen Vorteile der Muttermilch und frei vom kommerziellen Druck und Fehlinformationen, mit denen Gesellschaften ihre Ersatzstoffe für Muttermilch anpreisen". Mit dieser Entscheidung appelliert die Jury an alle Regierungen, ihre Gesetze an den International Code of Marketing of Breastmilk Substitutes der WHO anzupassen, und sie fordert die Konzerne, die weiterhin diese Vereinbarung brechen oder umgehen, auf, die Gesundheit und das Leben der Säuglinge höher einzuordnen als ihren Profit.

Samuel Epstein

Für sein "beispielhaftes Wissenschaftlerleben im Dienste humanitärer Aktivitäten" wird Samuel Epstein geehrt. Er hat zunächst als Privatperson und später durch die von ihm gegründete Cancer Prevention Coalition Druck auf Regierungen und Konzerne ausgeübt, die Verantwortung für die Sicherheit ihrer Produkte und den Schutz der Umwelt zu übernehmen, indem er betonte, daß die Umweltverschmutzung viele vermeidbare Krebserkrankungen auslöst. Damit leistete Epstein einen unvergleichlichen Beitrag zur Prävention einer Krankheit, die immer noch für ein Viertel aller Todesfälle in den Industrienationen verantwortlich ist und sich weltweit ausbreitet.

Juan Pablo Orrego und die Grupo de Acciónpor el Biobío

In ihrem Bestreben, die ökologische Zerstörung des Biobío-Flußtals durch eine Reihe von Staudämmen zu verhindern, haben Juan Pablo Orrego und seine Organisation – die Grupo de Acciónpor el Biobío – die grundlegende Debatte über eine nachhaltige Entwicklung in die chilenische Bevölkerung getragen. Damit haben sie erfolgreich die Konzerne herausgefordert und eine Reform der Regierungspolitik eingeleitet. Die Preisjury würdigt Orrego "für seinen persönlichen Mut, seine Aufopferung und seine Beharrlichkeit, mit der er seine wichtige und relevante Arbeit ausgeübt hat, um eine nachhaltige Entwicklung in Chile und anderen Ländern zu erreichen."

Vesna Terselic und Katarina Kruhonja

Der Krieg und die ethnischen "Säuberungen" auf dem Balkan haben in den letzten Jahren die Welt entsetzt. Die Aufgabe, in dieser kriegszerrütteten Gesellschaft wieder Frieden, Gerechtigkeit und Harmonie zwischen den Völkern aufzubauen, wurde von niemandem mit mehr Geschick, Weitblick und unermüdlichem Einsatz angegangen als von Katarina Kruhonja, Vesna Terselic und den Friedensbewegungen, die sie in Kroatien gegründet haben. Die Jury ehrt die beiden Frauen "nicht nur für ihre deutlichen Erfolge, sondern auch für ihre Hingebung für einen langwierigen Prozeß der Friedensbildung und Versöhnung, von dem sie wissen, daß er Jahre brauchen wird, um ihre Vorstellungen von einer demokratischen und toleranten Gesellschaft zu realisieren."

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