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Spinosaurus: Der Dino, der im Schwimmen jagte

Die »Dornenechse« war ein Gigant, selbst für Dinosauriermaßstäbe. Und noch in einem weiteren Merkmal unterschied sich Spinosaurus aegyptiacus von allen anderen Dinosauriern: Er schwamm.
Lebendrekonstruktion der DornenechseLaden...

Dass die Lebensweise des 18 Meter langen Spinosaurus aegyptiacus etwas mit Wasser zu tun hatte, war schon lange klar: Dafür sprach sein gedrungener Körperbau, der zum Sprinten nicht geeignet war, seine oben liegenden Nasenlöcher oder auch die Zähne, die zum Fangen schlüpfriger Fische wie geschaffen waren. Allerdings gingen Forscher bisher davon aus, dass das riesige Reptil durch flaches Wasser watend auf Fischzug ging.

Dem widersprechen nun Wissenschaftler um Nizar Ibrahim von der University of Detroit in Mercy in einer aktuellen Veröffentlichung des Fachmagazins »Nature«. Spinosaurus aegyptiacus sei ein echter Schwimmer gewesen, der sich wie heutige Krokodile fortbewegte.

Ein kräftiger Schwanz, dessen weit nach oben abstehende Dornen wie ein Paddel wirkten, brachte das Forscherteam zu dieser Erkenntnis. Versuche am Modell in einem Strömungskanal zeigten, dass die Schwanzform der Riesenechse vergleichbar viel Vortrieb erzeugte wie die eines Krokodils oder wasserlebenden Molchs. Die Schwanzform klassischer Landbewohner, wie Allosaurus, erreicht nicht annähernd so viel.

Rekonstruktion des jetzt entdeckten ExemplarsLaden...
Rekonstruktion des jetzt entdeckten Exemplars |

Der Umriss markiert das gewaltige Rückensegel des Spinosaurus aegyptiacus, dessen Funktion nach wie vor ungeklärt ist – es könnte womöglich als »umgekehrter Kiel« die Echse beim Schwimmen unterstützt haben. Der Schwanz zeigt in Form und Beweglichkeit deutlich die Merkmale eines Unterwasserantriebs.

Die Farbcodierung belegt, welche Skeletteile aus welcher Grabungssession stammen: Rosa gefärbte Teile wurden 2007 und 2008 entdeckt, grün gefärbte Teile bei der jüngsten Kampagne von 2015 bis 2019. In gelb sind Teile dargestellt, die als Lesefunde erfasst wurden.

Hinter der Entdeckung steckt eine aufwändige Suche nach fossilen Resten des Spinosaurus, von dem man bislang nur vereinzelte Bruchstücke hatte, nachdem das beste fossile Exemplar im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Ibrahim spürte dazu in wochenlanger Suche einen marokkanischen Fossilienjäger auf. Dieser hatte ihm Jahre zuvor Fossilien verkauft, die sich erst viel später als Überreste der Dornenechse erwiesen hatten. Mit Hilfe des ortsansässigen Knochensammlers gelangte das Ausgräberteam schließlich an die Fundstelle in der marokkanischen Kem-Kem-Formation, einem alten Flusssystem, in dem neben Spinosaurus auch riesige Sägerochen und mehrere Meter lange Lungenfische lebten. Von 2015 bis 2019 gruben Ibrahim und Kollegen hier den Schwanz des 95 Millionen Jahre alten, noch nicht ganz ausgewachsenen Tiers aus, der jetzt die Vorstellung von der Lebensweise des Giganten revolutionieren könnte.

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