Direkt zum Inhalt

News: Der Duft der Pandas

Der großen Panda ist eine vom Aussterben bedrohte Tierart. In seiner Heimat im Westen Chinas und in Tibet lebt er in dichten Bambuswäldern, deren Fläche jedoch immer mehr abnimmt. In Gefangenschaft gelingt es Biologen nur selten, die Tiere nachzuzüchten, um so die Art zu erhalten. Denn aufgrund des Einzelgängertums sind männliche Pandas in Zoos selten paarungswillig. Neue Untersuchungen deuten jetzt darauf hin, dass die Sexual-Lockstoffe der Tiere hier vielleicht hilfreich sein könnten.
Nicht nur Menschen reagieren auf Gerüche von Sexualpartnern. Auch viele Tiere machen durch Duftstoffe auf sich aufmerksam. Wenn Biologen die dabei zu Grunde liegenden Mechanismen besser verstehen würden, könnten sie in Zukunft vielleicht bedrohte Tierarten in Gefangenschaft mit größerem Erfolg nachzüchten. Dies würde besonders dem großen Panda helfen, der in Zoos bisher nur sehr schwer für einen Partner zu begeistern ist: Nur 30 Prozent der männlichen Tiere versuchen überhaupt sich zu paaren, wenn man sie mit einem Weibchen zusammenbringt. Doch ein Team von Verhaltensbiologen um Ronald Swaisgood vom Center for Reproduction of Endangered Species in San Diego, hat jetzt bei seinen Untersuchungen Hinweise gefunden, wie man die Sexuallockstoffe der Pandas zu diesem Zweck ausnutzen könnte (New Scientist vom 30. September 2000).

Die Wissenschaftler beobachteten, wie die Pandas sich verhalten, wenn sie in den leeren Käfig eines anderen Pandas gelassen werden. Die Tiere verharrten genau dort, wo vorher die früheren Bewohner ihre Duft-Marken hinterlassen hatten. Die Männchen sprachen dabei besonders auf weibliche Gerüche an – um so mehr, wenn das Weibchen in seiner Eisprung-Phase war. "Wir glauben, dass die Gerüche eines solchen Weibchens die Erregung bei männlichen Pandas steigern", sagt Don Lindburg, ein Kollege von Swaisgood. Die Forscher vermuten, dass die Weibchen in der Wildnis den Männchen ihre Paarungsbereitschaft ebenfalls über Gerüche signalisieren. Lindburg denkt daher, die Züchtung von Pandas ließe sich verbessern, wenn die Tiere die Käfige der Partner vom Geruch her erforschen dürften, bevor sie das erste Mal zusammenkommen.

Stuart Chapman vom World Wildlife Fund for Nature hingegen bezweifelt, dass diese Erkenntnisse die Panda-Population in der Wildnis erhalten könnten. "Kein in Gefangenschaft geborener Panda ist jemals ausgewildert worden", sagt er und deutet an, wo das eigentliche Problem liegt: "Die einzige Chance, die Art zu erhalten, liegt darin, ihren Lebensraum zu bewahren."

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte