Dimorphos: Raumsonde DART veränderte Asteroiden stärker als erwartet

Als am 26. September 2022 die NASA-Raumsonde DART, der Double Asteroid Redirection Test, mit hoher Geschwindigkeit gezielt in den kleinen Asteroiden Dimorphos einschlug, wurde die Forschungsgemeinde von den Resultaten überrascht. Die Bahn des Asteroidenmonds um seinen Hauptkörper Didymos wurde so verändert, dass sich seine Umlaufzeit um rund ein halbe Stunde verkürzte. Und zwei kleine, vor dem Einschlag von der Muttersonde abgetrennte Tochtersonden konnten verfolgen, wie Staub und Trümmerteile aus Dimorphos herausgesprengt wurden. Mit den Bildern der LICIACube-Sonden verfolgte ein Team um Tony Farnham von der University of Maryland 104 Felsbrocken mit Durchmessern von 0,4 bis 7,2 Metern, die sich von Dimorphos mit Geschwindigkeiten von bis zu 52 Metern pro Sekunde (187 Kilometern pro Stunde) entfernten.
Dabei stellte das Team fest, dass die Felsbrocken nicht in beliebigen Richtungen von Dimorphos fortflogen. Tatsächlich bildeten sie zwei Gruppen, die sich unterschiedlich bewegten. Die größere Gruppe, die etwa 70 Prozent aller Felsbrocken enthielt, wurde nach Süden mit recht hoher Geschwindigkeit und flachen Winkeln zur Oberfläche ausgeworfen. Möglicherweise waren hierfür die beiden Solarzellenausleger von DART verantwortlich, die zwei größere Felsbrocken auf Dimorphos beim Einschlag trafen. Diese erhielten die Namen Atabaque und Bodhran. Wahrscheinlich kamen die Brocken im südlichen Schwarm vor allem von Atabaque, der vor dem Treffer einen Durchmesser von 6,6 Metern hatte.
Der Einschlag von DART erfolgte in eine felsige Oberfläche, die aus losen Felsbrocken unterschiedlicher Größe bestand. Dimorphos gehört wie sein Mutterkörper Didymos zu den »fliegenden Geröllhaufen«, also Asteroiden, die aus einer lockeren Ansammlung von Gesteinsbrocken bestehen, die so gerade eben von der geringen Eigenschwerkraft zusammengehalten werden. Dies macht im Fall des Falles eine Abwehr mit dem gezielten Einschlag einer großen Masse schwierig, da der getroffene Asteroid sich in eine Wolke aus Felsbrocken verwandeln könnte, deren Bahn noch immer zu Erde führen würde. Statt eines Geschosses würde ein Schrotschuss die Erde treffen.
Ende des Jahres 2026 wird die europäische Asteroidensonde Hera im System von Dimorphos und Didymos eintreffen, um die beiden Himmelskörper und die Folgen des Einschlags von DART im Detail zu untersuchen. Sie soll nach einem möglichen Einschlagkrater auf Dimorphos suchen und die Zusammensetzung des Materials beider Himmelskörper untersuchen.
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