Direkt zum Inhalt
Ringplanet

Der größte Saturnring

Der Phoebe-Ring um Saturn
Bislang galt der E-Ring des Saturn als der größte Planetenring des Sonnensystems und als der am weiteste entfernte Ring des Ringplaneten. Aber auch er ist klein im Vergleich mit dem nun mit dem Infrarotsatelliten Spitzer entdeckten Ring: In der Nähe der Umlaufbahn des äußeren Saturnmondes Phoebe erstreckt sich ein wahrhaft gigantisches Gebilde mit einem Außendurchmesser von rund 24 Millionen Kilometern, das fünf Millionen Kilometer breit ist. Man sollte diesen Ring eher als Torus bezeichnen, denn er besitzt eine vertikale Ausdehnung von 2,4 Millionen Kilometern senkrecht zur Ringebene.

Saturns größter Ring
Saturns größter Ring | Ein riesiges Gebilde ist der 2009 entdeckte äußerste Ring des Saturn, er weist einen Durchmesser von rund 32 Millionen Kilometern auf, das entspricht rund einem Viertel des Abstands Erde–Sonne. Oben ist der Ringplanet mit dem bislang als größter Ring geltenden E-Ring zu sehen; er schrumpft fast zu einem Punkt im Vergleich zu seinem äußeren Verwandten. Der Saturnmond Phoebe (links) und weitere kleine Monde gelten als Quelle der den Ring aufbauenden Staubpartikel. Rechts ist der äußere Mond Iapetus zu sehen, dessen Vorderseite möglicherweise durch Partikel aus dem Staubring schwarz gefärbt wurde.
Allerdings ist dieser um 27 Grad gegen die Äquatorebene des Saturn geneigte Staubring sehr dünn. So lässt er sich daher auch nur mit langen Belichtungszeiten im Infraroten nachweisen, da er lediglich etwa 80 Kelvin (–190 Grad Celsius) warm ist. Der Ring besteht aus millimetergroßen und noch kleineren Staubpartikeln, die im sichtbaren Licht sehr dunkel erscheinen.

Das Forscherteam um Anne Verbiscer von der University of Virginia in Charlottesville vermutet, dass der Ring durch Einschläge von Mikrometeoriten auf Phoebe und weitere kleinere Monde der Phoebe-Familie zurückgeht. Diese umkreisen Saturn in großem Abstand rückläufig und ihre Bahnen sind zudem rund 150 Grad gegen die Äquatorebene des Planeten geneigt. Die Mikrometeoriten schlagen aus den Oberflächen der Monde feine Staubpartikel heraus, welche die schwachen Schwerefelder der Monde verlassen und sich in der Nähe der Bahnebene der Monde zu einem Staubring ansammeln.

Der Phoebe-Ring im Infraroten (Simulation)
Der Phoebe-Ring im Infraroten (Simulation) | Wären unsere Augen im Infraroten empfindlich, dann würde sich Saturn so am Himmel präsentieren: Der riesige Phoebe-Ring degradiert den majestätischen Planeten zu einem kleinen Fleck im Zentrum. Das Bild ist eine Computersimulation und stellt den Ring sehr viel heller als Saturn selbst dar.
Der Saturnmond Phoebe wurde bereits im Jahr 1898 von William H. Pickering von der Sternwarte Arequipa in Peru aus entdeckt und galt für lange Zeit als äußerer Saturnmond. Erst Anfang der 2000er Jahre fanden Forscher mit verbesserten Nachweisverfahren mehr als zwei Dutzend weiterer kleinerer Monde, die Saturn in großem Abstand umrunden.

Möglicherweise kann der jetzt entdeckte Staubring die seltsame Oberfläche des weiter innen liegenden Saturnmonds Iapetus erklären. Dieser eigentümliche Mond besitzt zwei extrem unterschiedliche Hemisphären. Der Mond rotiert gebunden, er weist also Saturn wie der Erdmond der Erde stets die gleiche Seite zu. Die in Umlaufrichtung gelegene Seite des Mondes ("Bugseite") ist fast pechschwarz, während die Rückseite in fast reinem Weiß von sauberem Wassereis leuchtet.
Der Phoebe-Ring im Infraroten
Der Phoebe-Ring im Infraroten | Eine langbelichtete Aufnahme des Infrarotsatelliten Spitzer enthüllt einen kleinen Ausschnitt des Phoebe-Staubrings um Saturn. Bei den hellen Punkten handelt es sich um Hintergrundsterne.


Detailaufnahmen der Raumsonde Cassini zeigen, dass die dunkle Farbe durch eine relativ dünne Schicht auf dem Eis der Iapetuskruste entsteht. Schon kleine Einschläge können diese Schicht durchschlagen und legen das helle Eis darunter frei.

Schon seit langem stehen Phoebe und ihre Familienmitglieder im Verdacht, Iapetus zu "verschmutzen". Dieser sammelt feine von den dunklen Monden stammende Partikel wie Fliegen auf einer Windschutzscheibe auf seiner Bugseite ein und das über Milliarden von Jahren hinweg. Der neuentdeckte Ring zeigt nun an, dass tatsächlich Material von den äußeren Monden freigesetzt wird, die zu Iapetus gelangen. So konnte sich die dunkle Hemisphäre bilden, die zu Ehren des Entdeckers von Iapetus, Jean-Dominique Cassini, den Namen "Cassini Regio" erhielt.

Tilmann Althaus

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Vielen Dank!

Partnervideos