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Verhalten: Der kleine (Gang-)Unterschied

Hüftschwung oder Cowboyschritt – Frauen und Männer gehen einfach anders. Um die Bedeutung dieses Unterschieds zu ergründen, bestückte der Bochumer Psychologe Andrej König Probanden zwischen 4 und 30 Jahren mit reflektierenden Markern und zeichnete ihren Gang in einem abgedunkelten Raum mit einer Hochgeschwindigkeitskamera auf. Die Bewegungen der Leuchtpunkte übertrug er auf stilisierte Strichmännchen. Die so animierten Figuren wurden dann menschlichen Betrachtern gezeigt. Diese sollten das mutmaßliche Geschlecht und Alter angeben.

Dabei erreichten sie erstaunlich hohe Trefferquoten von bis zu 90 Prozent. Generell noch etwas besser schnitt ein eigens entwickeltes Computerprogramm ab, das mit den Daten gefüttert wurde. Interessant ist, dass schon bei Kindern klar erkennbare Unterschiede im Gang bestehen. Demnach nehmen sie nicht erst nach der Pubertät das geschlechttypische Bewegungsmuster an – auch wenn es sich im Erwachsenenalter verstärkt.

Die Experimente zeigten außerdem die sexuelle Orientierung der Betrachter an: Heterosexuelle fanden die Schritte des anderen, Homosexuelle die ihres eigenen Geschlechts attraktiver. In beiden Fällen wirkte jedoch nur das Gangbild von Personen ab einem Alter von etwa 20 Jahren anziehend.

Anders verhielt es sich bei Sexualstraftätern, die wegen Kindesmissbrauchs verurteilt waren. Sie fanden im Durchschnitt die Bewegungsmuster von Kindern attraktiver als die von Erwachsenen. Derartige Tests könnten demnach, hofft der Wissenschaftler, ein Hilfsmittel bei der Diagnose von Pädophilie sein.

Lars Fischer

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