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Astronomie mit dem Fernglas: Sternenball am Frühlingshimmel

Messier 3 ist einer der schönsten Kugelsternhaufen des Himmels. Seine Sterne sind beinahe so alt wie unser Milchstraßensystem. Im Frühjahr lässt sich dieses Objekt günstig beobachten.
Silhouette einer Person mit Fernglas vor dem Hintergrund eines dunklen Himmels.
Start in die Sternennacht | Es lohnt sich, den späten Einbruch der Dunkelheit abzuwarten, um hoch am Osthimmel den Kugelsternhaufen Messier 3 zu bestaunen.

Im Mai beginnt die Saison für die Liebhaber von Kugelsternhaufen, denn in den nun aufgehenden Frühlingssternbildern finden sich gleich mehrere helle Exemplare dieser großen Sternennester. In einem Fernglas erscheinen sie als faszinierend runde Nebelfleckchen. Der erste helle Vertreter dieser Klasse, der sich nach Einbruch der Dunkelheit gut beobachten lässt, ist der Kugelsternhaufen Messier 3 im Sternbild Jagdhunde (lateinisch: Canes Venatici), nahe der Grenze zum Sternbild Bärenhüter (lateinisch: Bootes).

Dank seiner scheinbaren Helligkeit von immerhin 6,3 mag lässt sich Messier 3 relativ leicht auffinden (siehe »Nordwestlich des Bärenhüters«). In einer dunklen Nacht ohne störende künstliche Beleuchtung zeigt sich dieses Objekt mit einer scheinbaren Ausdehnung von einem halben Vollmonddurchmesser. Unter einem typischen aufgehellten Vorstadthimmel ist nur der halb so große, dicht besetzte Innenbereich des Kugelsternhaufens sichtbar.

Nordwestlich des Bärenhüters | Ausgehend vom –0,1 mag hellen Stern Arktur (α Boo) im Bärenhüter (lateinisch: Bootes) gelangt man mit dem Fernglas durch einen Schwenk von rund zwölf Grad in nordwestliche Richtung zum 6 mag hellen Kugelsternhaufen Messier 3, der sich im benachbarten Sternbild Jagdhunde (lateinisch: Canes Venatici, CVn) befindet.

Auch in absoluten Dimensionen gehört Messier 3 mit seinem Durchmesser von 180 Lichtjahren zu den größten Sternansammlungen seiner Art. Hier zeigt Ihr Fernglas das Licht von mehr als einer Million Sterne, die rund zwölf Milliarden Jahre alt sind – denn Kugelsternhaufen sind Überbleibsel aus der Entstehungszeit unseres Milchstraßensystems. Aufgrund der großen Entfernung von rund 33 000 Lichtjahren verschmelzen die vielen Sterne von Messier 3 im Fernglas zu einem perfekt runden Nebel. Einzelne Sterne des Haufens lassen sich jedoch erst in einem Teleskop von mindestens zwölf Zentimetern Öffnung erkennen (siehe »Ein bunter Haufen«).

Ein bunter Haufen | »Messier 3 gilt als einer der schönsten und scheinbar größten Kugelsternhaufen des nördlichen Frühlingshimmels«, betont der Astrofotograf Bernhard Zimmermann. Die Aufnahme mit einer Gesamtbelichtungszeit von drei Stunden gelang ihm mit einer Canon 60Da in Verbindung mit einem Newton-Teleskop mit 20 Zentimetern Öffnung (f/5).

Das Licht von Messier 3, das heute Nacht auf Ihre Netzhaut trifft, wurde bereits zur Zeit der Höhlenmenschen ausgesandt. Vielleicht motiviert Sie dieser Gedanke ja, auf die nun schon recht spät einsetzende Dunkelheit zu warten. Etwa ab 22:30 Uhr MESZ sollte es dunkel genug sein, um mit einem Fernglas erfolgreich auf die Suche zu gehen; gegen 24:00 Uhr MESZ erreicht der Kugelsternhaufen seine maximale Höhe über dem Südhorizont.

Kurz erklärt

Bogenminute: Die Bogenminute ist eine Einheit, um die Größe von Winkeln im Gradmaß anzugeben. Ein Winkelgrad hat 60 Bogenminuten und die Bogenminute 60 Bogensekunden. Entsprechend ergeben 3600 Bogensekunden genau ein Grad.

Ekliptik: Die scheinbare jährliche Bahn der Sonne am Himmel. Sie ist der Schnitt der Erdbahnebene, der so genannten Ekliptikebene, mit der Himmelssphäre. Die Ekliptikebene ist gegen die Äquatorebene, den Schnitt des Erdäquators mit der Himmelssphäre, um 23,5 Grad geneigt.

Elongation: Winkelabstand zwischen der Sonne und einem Planeten oder dem Mond. Befindet sich ein Planet in östlicher Elongation, geht er abends nach der Sonne unter, bei westlicher Elongation geht er morgens vor der Sonne auf. Eine Elongation von 0 Grad heißt Konjunktion und von 180 Grad Opposition.

mag – Helligkeit: Historisch bedingt unterschied man die Helligkeiten zunächst in sechs Größenklassen. Der erste Detektor war das menschliche Auge, das sicherlich nicht voll ausgereift ist für astronomische Beobachtungen. Die hellsten Sterne definierte man mit der 1. Größe (1 mag), die lichtschwächsten, gerade noch mit dem Auge sichtbaren als Sterne 6. Größe (6 mag).

Konjunktion: Gleichschein, Stellung eines Planeten, bei der die Sonne in der Verbindungslinie Erde-Planet steht. Bei den Planeten Merkur und Venus kommt es zu einer oberen Konjunktion, wenn die Sonne zwischen der Erde und dem Planeten steht und zur unteren Konjunktion¸ wenn der Planet zwischen Erde und Sonne steht.

Kulmination: Durchgang eines Gestirns durch den Meridian. Man unterscheidet zwischen der oberen Kulmination (größte Höhe über dem Horizont) und der unteren Kulmination (größte Höhe unter dem Horizont). Nur bei den Zirkumpolarsternen befinden sich oberer und unterer Kulminationspunkt über dem Horizont.

Meridian: Mittagskreis, im horizontalen Koordinatensystem der Großkreis an der Himmelssphäre, der sowohl durch Zenit und Nadir als auch durch die beiden Himmelspole verläuft und den Horizont im Süd- und im Nordpunkt schneidet.

Opposition: Gegenschein, Winkelstellung zweier Planeten zueinander oder auch zu Sonne und Mond, bei der sich die ekliptikale Länge der beiden Gestirne um 180 Grad unterscheidet. Am häufigsten für den Fall gebraucht, dass Sonne-Erde und einer der äußeren Planeten auf einer Linie liegen.

Seeing: das durch die Luftunruhe der Atmosphäre hervorgerufene Flackern der Sterne.

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