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Astronomie mit dem Fernglas: Sterneninsel im Skorpion

Im Frühsommer können Sie mit einem Fernglas einen der schönsten Kugelsternhaufen des Himmels am Südhorizont beobachten: Messier 4 im Sternbild Skorpion.
Silhouette einer Person mit Fernglas vor dem Hintergrund eines dunklen Himmels.
Blick an den Nachthimmel | Es muss nicht immer ein Fernrohr sein: Mit einem kompakten Fernglas lassen sich zahllose interessante Objekte am Himmel beobachten.

In den hellen Nächten der warmen Jahreszeit empfiehlt sich ein Blick in Richtung Süden, wo der Nachthimmel dunkler erscheint als im aufgehellten Norden. In den Stunden um Mitternacht gibt der nördliche Teil des Sternbilds Skorpion ein kurzes Gastspiel über dem Südhorizont. Den Kopf des respektgebietenden Spinnentiers ziert der prächtige Kugelsternhaufen Messier 4. Dank seiner scheinbaren Helligkeit von 5,7 mag und seiner großen Winkelausdehnung von immerhin zwei Dritteln des Vollmonddurchmessers nimmt sich dieses Objekt im Fernglas sehr schön aus. Kleinere Optiken zeigen hier einen diffus auslaufenden runden Nebel. In einem größeren, auf einem Stativ montierten Fernglas deuten sich sogar einige der hellsten Haufensterne schwach aufblitzend an. Der etwa 6000 Lichtjahre entfernte Messier 4 ist besonders leicht am Himmel aufzufinden, knapp westlich des unübersehbaren, rötlich leuchtenden Sterns Antares (siehe »Tief im Süden«).

Tief im Süden | Der Kugelsternhaufen Messier 4 im Sternbild Skorpion (lateinisch: Scorpius) gelangt in Mitteleuropa nicht sehr hoch über den Horizont. Dennoch sollten Sie sich dieses Objekt bei ausreichend klarer Sicht nicht entgehen lassen. Am besten beobachten Sie den Haufen während seiner Höchststellung im Süden, die er Mitte Juni um 00:00 Uhr MESZ erreicht. Sie finden ihn 1,3 Grad westlich des hellen Sterns Antares. Zur Aufnahme dieses Fotos nutzte Harald Lutz eine Canon EOS 1100D und ein Objektiv mit 28 Millimetern Brennweite bei Blende 2,8; er belichtete acht Sekunden.

Im Vergleich zu anderen Kugelsternhaufen ist uns Messier 4 vergleichsweise nahe – dennoch liegt er etwa zehnmal so weit entfernt wie Antares. Dieses auffällige Gestirn ist zudem viel jünger als die gut 12,5 Milliarden Jahre alten Mitglieder des Haufens. Der massereiche Gigant hat seinen Brennstoff weitgehend verbraucht und sich bereits zu einem Roten Überriesen entwickelt. In Messier 4 hingegen leuchten nur noch sehr langlebige Sterne mit relativ geringen Massen. Dementsprechend sparsam gehen diese Haufenmitglieder mit ihrem Brennstoffvorrat um; die einst vorhandenen Riesen sind hier bereits erloschen.

Messier 4 würde uns viel prächtiger erscheinen, hätte ihn seine Bahn nicht mehrmals sehr nahe am Zentrum unserer Galaxis vorbeigeführt. Hierbei gingen viele seiner Sterne durch Gezeitenkräfte verloren. Der Freude an der Beobachtung des Kugelsternhaufens mit Ihrem Fernglas sollte dies keinen Abbruch tun; er ist trotzdem ein prächtiges Objekt.

  • Kurz erklärt
    Was ist eine Bogenminute? Wann spricht man von einer Konjunktion? Und wie gibt man die Helligkeit von Sternen an? Ein kleiner Überblick über die wichtigsten astronomischen Begriffe.
  • Bogenminute
    Die Bogenminute ist eine Einheit, um die Größe von Winkeln im Gradmaß anzugeben. Ein Winkelgrad hat 60 Bogenminuten und die Bogenminute 60 Bogensekunden. Entsprechend ergeben 3600 Bogensekunden genau ein Grad.
  • Ekliptik
    Die scheinbare jährliche Bahn der Sonne am Himmel. Sie ist der Schnitt der Erdbahnebene, der so genannten Ekliptikebene, mit der Himmelssphäre. Die Ekliptikebene ist gegen die Äquatorebene, den Schnitt des Erdäquators mit der Himmelssphäre, um 23,5 Grad geneigt.
  • Elongation
    Winkelabstand zwischen der Sonne und einem Planeten oder dem Mond. Befindet sich ein Planet in östlicher Elongation, geht er abends nach der Sonne unter, bei westlicher Elongation geht er morgens vor der Sonne auf. Eine Elongation von 0 Grad heißt Konjunktion und von 180 Grad Opposition.
  • Helligkeit (mag)
    Historisch bedingt unterschied man die Helligkeiten zunächst in sechs Größenklassen. Der erste Detektor war das menschliche Auge, das für astronomische Beobachtungen sicherlich nicht voll ausgereift ist. Die hellsten Sterne definierte man als Sterne 1. Größe (1 mag), die lichtschwächsten, gerade noch mit dem Auge sichtbaren als Sterne 6. Größe (6 mag).
  • Konjunktion
    Gleichschein, Stellung eines Planeten, bei der die Sonne in der Verbindungslinie Erde–Planet steht. Bei den Planeten Merkur und Venus kommt es zu einer oberen Konjunktion, wenn die Sonne zwischen der Erde und dem Planeten steht, und zu einer unteren Konjunktion¸ wenn der Planet zwischen Erde und Sonne steht.
  • Kulmination
    Durchgang eines Gestirns durch den Meridian. Man unterscheidet zwischen der oberen Kulmination (größte Höhe über dem Horizont) und der unteren Kulmination (größte Höhe unter dem Horizont). Nur bei den Zirkumpolarsternen befinden sich oberer und unterer Kulminationspunkt über dem Horizont.
  • Meridian
    Mittagskreis, im horizontalen Koordinatensystem der Großkreis an der Himmelssphäre, der sowohl durch Zenit und Nadir als auch durch die beiden Himmelspole verläuft und den Horizont im Süd- und im Nordpunkt schneidet.
  • Opposition
    Gegenschein, Winkelstellung zweier Planeten zueinander oder auch zu Sonne und Mond, bei der sich die ekliptikale Länge der beiden Gestirne um 180 Grad unterscheidet. Am häufigsten für den Fall gebraucht, dass Sonne–Erde und einer der äußeren Planeten auf einer Linie liegen.
  • Seeing
    Das durch die Luftunruhe der Atmosphäre hervorgerufene Flackern der Sterne.

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