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Extremobjekt: Der langsamste Pulsar im All?

Zu den extremsten Objekten im All gehören Pulsare. Schließlich rotieren sie normalerweise hunderte Male pro Sekunde. Doch ein neu entdeckter Neutronenstern tickt anders.
Der Supernova-Rest RCW 103 beinhaltet einen langsamen PulsarLaden...

Mit durchschnittlich 20 Kilometer Radius vereinen Pulsare die Masse unserer Sonne auf kleinstem Raum. Und sie rotieren normalerweise extrem schnell um ihre eigene Achse – meist mehrere hundert Male pro Sekunde. Doch der Pulsar 1E 161348-5055 (oder kurz: 1E 1613) im Supernova-Rest RCW 103 bildet eine ebenso extreme Ausnahme: Der Neutronenstern dreht sich offensichtlich nur einmal in mehr als 6,5 Stunden um sich selbst. Das legen Daten von Astronomen um Nanda Rea von der Universität Amsterdam nahe, die diese mit Hilfe verschiedener Teleskope gewonnen haben. Wie es sich für einen richtigen Pulsar gehört, stößt das Objekt in regelmäßigen Abständen Radiowellen aus, wie die Forscher maßen.

Warum 1E 1613 aber deutlich langsamer als andere Pulsare ist, können Rea und Co noch nicht erklären. Mindestens zwei Möglichkeiten kämen in Frage: Entweder umkreist das Objekt einen noch unbekannten Begleitstern, wodurch es ausgebremst werden könnte. Oder ein bislang nicht nachgewiesener Mechanismus sorgt dafür, dass der sich ursprünglich rasend schnell drehende Pulsar sich in außergewöhnlich kurzer Zeit verlangsamt hat. Denn die ursächliche Sternenexplosion endete vor rund 2000 Jahren, so die Schätzungen der Wissenschaftler, was für die Geschwindigkeitsdrosselung eines Pulsars zeitlich nicht ausreicht. Im Juni zeichnete das Swift-Observatorium der NASA jedoch einen kurzen Gammastrahlenausbruch auf, der denen eines Magnetars sehr ähnelt – Magnetare sind Sonderformen eines Pulsars mit einem extremen Magnetfeld, das hunderte Millionen Male stärker als das der Erde ist.

Magnetare rotieren alle zehn Sekunden um ihre Achse, was 1E 1613 also immer noch nicht erklärt. In seiner Veröffentlichung spekuliert Reas Team aber, dass staubige Überreste der Supernova vom starken Magnetfeld eingefangen werden und zurück in den Pulsar stürzen. Dieser Massezuwachs könne das Bremsen bewirken, so die These. Immerhin bestätigt bereits eine zweite Studie, dass es sich bei dem fraglichen Objekt tatsächlich um einen Magnetar handelt. Mehrere Teleskope sollen 1E 1613 weiterhin mit unterschiedlichen Messgeräten beobachten, um das Rätsel endgültig zu lösen.

37/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 37/2016

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