Astronomietag 2026: Der Mond und sein Goldener Henkel

Vor allem astronomisch interessierte Stadtmenschen wissen den Mond als Beobachtungsobjekt zu schätzen, denn er trotzt der schlimmsten Lichtverschmutzung und offenbart selbst unter diesen Bedingungen seine ganze Vielfalt an Details. Bereits mit bloßem Auge verraten sich auf seiner Oberfläche die dunklen Mare-Gebiete (lateinisch für »Meer«). Noch mehr zeigt ein Fernglas: Obwohl die Vergrößerung vergleichsweise gering ist, können Sie damit auf dem Mond schon einige Krater erspähen.
Weitere Details erkennen Sie, indem Sie Ihre Ellbogen beim Hindurchsehen gut abstützen oder das Fernglas auf einem Stativ montieren, damit das Bild nicht zittert. Allerdings bereitet der Einsatz eines Stativs Haltungsprobleme, falls das anvisierte Objekt hoch am Himmel steht; in diesem Fall können Sie sich jedoch mit einem im Astrofachhandel erhältlichen Auslegerarm für das Fernglas, nebst Gegengewicht am anderen Ende, helfen. So bleibt Ihr Kopf während der Beobachtung stets unterhalb der Optik, ohne dass Ihr Körper mit dem Stativ kollidiert. Der erhebliche Vorteil des ruhigen Bildes ist diesen Aufwand durchaus wert.
Eine der größten von der Erde aus erkennbaren Gebirgsformationen auf dem Mond ist die auffällige Bucht am nordöstlichen Rand des Mare Imbrium mit der sperrigen lateinischen Bezeichnung »Sinus Iridum« (Regenbogenbucht). Dieser Umstand mag dem Namen »Goldener Henkel« sicherlich zu seiner Popularität verholfen haben (siehe »Sonnenaufgang auf dem Mond«). Die zugrunde liegende Idee wird augenscheinlich, wenn dieser Gebirgshalbkreis – ein teilweise versunkener, großer Kraterwall – bei passender Mondphase an der Tag-Nacht-Grenze in die Dunkelheit hinausragt (siehe »Ein Zacken am Terminator«). Im Fernglas ist der Henkel dann gut zu erkennen; man muss nur die richtige Mondphase erwischen, wenn der zunehmende Erdtrabant etwa zu 80 Prozent beleuchtet ist.
Der Goldene Henkel wird auch ein Thema des deutschlandweiten Astronomietags am 28. März 2026 sein (siehe »Astronomie für alle«). An diesem Tag öffnen astronomische Vereine, Volkssternwarten, Planetarien und Forschungseinrichtungen ihre Pforten für die interessierte Öffentlichkeit. Informationen über Veranstaltungen in Ihrer Nähe finden Sie unter astronomietag.de.
Und sollten an diesem Abend Wolken die Sicht trüben, dann lässt der nächste Termin nicht lange auf sich warten, denn im Lauf des Jahres gibt es weitere Gelegenheiten, den Goldenen Henkel zu beobachten: am 26. Mai, am 24. Juli, am 21. September, am 21. Oktober, am 19. November sowie am 19. Dezember 2026. Achten Sie also bei der Planung Ihrer Beobachtungsabende auf unseren kosmischen Nachbarn, da gerade mit diesem einfach zu beobachtenden Himmelsobjekt ein Fernglas viel Freude an der Astronomie bereitet.
Kurz erklärt
Bogenminute: Die Bogenminute ist eine Einheit, um die Größe von Winkeln im Gradmaß anzugeben. Ein Winkelgrad hat 60 Bogenminuten und die Bogenminute 60 Bogensekunden. Entsprechend ergeben 3600 Bogensekunden genau ein Grad.
Ekliptik: Die scheinbare jährliche Bahn der Sonne am Himmel. Sie ist der Schnitt der Erdbahnebene, der so genannten Ekliptikebene, mit der Himmelssphäre. Die Ekliptikebene ist gegen die Äquatorebene, den Schnitt des Erdäquators mit der Himmelssphäre, um 23,5 Grad geneigt.
Elongation: Winkelabstand zwischen der Sonne und einem Planeten oder dem Mond. Befindet sich ein Planet in östlicher Elongation, geht er abends nach der Sonne unter, bei westlicher Elongation geht er morgens vor der Sonne auf. Eine Elongation von 0 Grad heißt Konjunktion und von 180 Grad Opposition.
mag – Helligkeit: Historisch bedingt unterschied man die Helligkeiten zunächst in sechs Größenklassen. Der erste Detektor war das menschliche Auge, das sicherlich nicht voll ausgereift ist für astronomische Beobachtungen. Die hellsten Sterne definierte man mit der 1. Größe (1 mag), die lichtschwächsten, gerade noch mit dem Auge sichtbaren als Sterne 6. Größe (6 mag).
Konjunktion: Gleichschein, Stellung eines Planeten, bei der die Sonne in der Verbindungslinie Erde-Planet steht. Bei den Planeten Merkur und Venus kommt es zu einer oberen Konjunktion, wenn die Sonne zwischen der Erde und dem Planeten steht und zur unteren Konjunktion¸ wenn der Planet zwischen Erde und Sonne steht.
Kulmination: Durchgang eines Gestirns durch den Meridian. Man unterscheidet zwischen der oberen Kulmination (größte Höhe über dem Horizont) und der unteren Kulmination (größte Höhe unter dem Horizont). Nur bei den Zirkumpolarsternen befinden sich oberer und unterer Kulminationspunkt über dem Horizont.
Meridian: Mittagskreis, im horizontalen Koordinatensystem der Großkreis an der Himmelssphäre, der sowohl durch Zenit und Nadir als auch durch die beiden Himmelspole verläuft und den Horizont im Süd- und im Nordpunkt schneidet.
Opposition: Gegenschein, Winkelstellung zweier Planeten zueinander oder auch zu Sonne und Mond, bei der sich die ekliptikale Länge der beiden Gestirne um 180 Grad unterscheidet. Am häufigsten für den Fall gebraucht, dass Sonne-Erde und einer der äußeren Planeten auf einer Linie liegen.
Seeing: das durch die Luftunruhe der Atmosphäre hervorgerufene Flackern der Sterne.
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