Direkt zum Inhalt

Fruchtbarer Halbmond: Der Nahe Osten erfand den Ackerbau gleich zweimal

Die Wurzeln des europäischen Ackerbaus liegen im Fruchtbaren Halbmond des Nahen Ostens. Doch hier existierten von Beginn an zwei völlig getrennte Bauernkulturen.
Ein GerstenfeldLaden...

Vor rund 10 000 Jahren begannen Menschen in einem Gebiet, das von der östlichen Mittelmeerküste über Anatolien bis in den heutigen Iran reicht, ihre Lebensweise fundamental umzustellen: Aus nomadischen Jägern und Sammlern wurden die ersten Ackerbauern und Viehzüchter. Diese "neolithische Revolution" fand in dem so genannten Fruchtbaren Halbmond allerdings gleich zweimal statt.

Jene Annahme, die Archäologen auf Grund von Funden bereits vor Längerem formuliert hatten, bestätigt nun eine Untersuchung des Erbguts von 44 Menschen. Das Team um Iosif Lazaridis und David Reich von der Harvard University analysierte dazu die DNA von Menschen, die vor 14 000 bis 3500 Jahren im heutigen Armenien, in der Türkei, Israel, Jordanien und dem Iran lebten.

Die Forscher fanden dabei deutliche Unterschiede zwischen dem Genom der Menschen, die aus der südlichen Levante stammten, und demjenigen der einstigen Bewohner des Zagros-Gebirges im heutigen Iran.

Laut Roger Matthews von der University of Reading, einem der Leiter des Central Zagros Archaeological Project im Iran, haben manche Forscher die Auffassung vertreten, dass die eigentliche Erfindung des Ackerbaus in der südlichen Levante stattfand und sich von dort zum anderen "Horn" des Fruchtbaren Halbmonds verbreitete. Aber: "Der archäologische Befund zeigt sehr deutliche lokale Traditionen, die eindeutig nicht miteinander in Kontakt standen und über Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende hinweg aufrechterhalten wurden."

Dass sich die Vertreter der östlichen und der westlichen Tradition auch im Genmaterial so deutlich unterscheiden, lässt sich als Beleg für eine doppelte Entstehung der Landwirtschaft deuten. Die Bauern im Zagros-Gebirge domestizierten Ziegen und bauten etwa Emmer an, während die Menschen in der Levante andere Getreide, darunter Gerste und Weizen, pflanzten.

Als sich der Ackerbau schließlich aus Anatolien heraus verbreitete, war aus den beiden getrennten Traditionen eine einzige geworden. Mit diesem "neolithischen Paket" wanderten die Menschen unter anderem über den Mittelmeerraum nach Europa. Die Bewohner der südlichen Levante zog es hingegen in Teilen nach Afrika. Die östlichen Bauern drangen nach Zentralasien und in den indischen Subkontinent vor.

25/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 25/2016

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos