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News: Der neue Weg zum Lupus erythematodes

Bisher wurde angenommen, die Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes werde vor allem durch die Reaktion des sogenannten Komplementsystems hervorgerufen. Neueren Studien zufolge kommt aber einem bestimmten Rezeptormolekül eine entscheidende Bedeutung zu. Die Ergebnisse könnten zu neuen Therapieansätzen führen.
Studien an Mäusen mit einer Krankheit, die der verheerenden Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes ähnelt, weisen den Weg zu neuen Therapieformen bei der Behandlung des Menschen. Nach Auskunft der Wissenschaftler von der Rockefeller University verlangen ihre Erkenntnisse über die Entstehung der Krankheit (Science vom 13. Februar 1998) ein Überdenken der aktuellen Modelle zum Thema.

Der systemische Lupus erythematodes ruft chronische Entzündungen und schwere Nierenschäden hervor. Meist sind Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren betroffen. Die Krankheit entwickelt sich, wenn das Immunsystem, das normalerweise fremde Eindringlinge, wie Viren und Bakterien angreift, das körpereigene Gewebe attackiert. Das Immunsystem produziert Antikörper, sogenannte Autoantikörper, die gegen die eigenen Zellen wirksam sind. Im allgemeinen verschreiben Ärzte zur Behandlung dieser Krankheit entzündungshemmende und das Immunsystem unterdrückende Medikamente. Diese verursachen oft nicht nur unerwünschte Nebenwirkungen, sondern sind meistens auch unwirksam und unspezifisch.

In der neuen Forschungsarbeit wurde ein entscheidendes Bindeglied zwischen Autoantikörpern und Entzündung identifiziert. Außerdem werden neue Wege gewiesen, wie diese Verbindung getrennt werden kann.

"Die Studien zeigen, daß es eine wirksame Methode bei der Behandlung von Autoimmunkrankheiten wie Lupus wäre, die Aktivierung des Antikörperrezeptors durch Autoantikörper zu verhindern", sagt Jeffrey V. Ravetch vom Leonard Wagner Laboratory of Molecular Genetics and Immunology.

Vor diesen Studien galt das Dogma, die Autoantikörper würden Lupus über das sogenannte Komplementsystem, einen Teil des Immunsystems, verursachen. Das Komplementsystem besteht aus etwa 25 Molekülen, die so zusammenwirken, daß sie bei der Zerstörung von Bakterien beteiligt sind. Weiterhin wurde angenommen, es löse die Entzündungen aus, die von den Immunkomplexen (Antigenen, welche von Antikörpern umhüllt sind) verursacht werden. Diese Komplexe schwimmen in den Blutbahnen und werden im Falle einer Autoimmunerkrankung in verschiedenen Geweben und Organen abgelagert. Komplement-Proteine, die bewirken können, daß Blutgefäße sich erweitern und durchlässig werden, tragen zu Rötung, Hitze, Schwellungen, Schmerzen und Verlust von Funktionen bei, die eine Entzündungsreaktion kennzeichnen.

Forschungen haben in den letzten Jahren einen alternativen Weg der Immunsystemreaktion bei Autoimmunkrankheiten aufgezeigt. Nach diesem Modell sind Wissenschaftler der Ansicht, daß Fc-Rezeptoren eine wichtige Rolle spielen. Fc-Rezeptoren sind Antikörper-bindende Moleküle, die sowohl für die Auslösung einer Immunreaktion als auch für das Abschalten der Reaktion entscheidend sind. Die Rolle des Komplementsystems scheint bei dieser Wirkkette minimal zu sein.

In der neuen Forschungsarbeit entwickelten Ravetch und seine Mitautoren Raphael Clynes und Calin Dumitru einen Stamm von Mäusen, bei denen die Gamma-Kette des Fc-Rezeptors fehlt, die für die Aktivierung der Immunzellen durch Antikörperkomplexe verantwortlich ist. Als diesen Mäusen eine spontan auftretende Krankheit, die eng mit dem Lupus des Menschen verwandt ist, angezüchtet wurde, entdeckten die Forscher einen verblüffenden Unterschied in den Überlebensraten von Mäusen, denen der Fc-Rezeptor fehlte, und Mäusen mit einem intakten Rezeptor. 82 Prozent der Mäuse ohne Fc-Rezeptor lebten noch nach neun Monaten, im Vergleich zu weniger als 20 Prozent der Lupus-Mäuse mit einem intakten Fc-Rezeptor.

In beiden Mäusestämmen fanden die Forscher in den Nieren Immunkomplexe und das Komplementprotein C3. Mäuse ohne Fc-Rezeptor zeigten jedoch keine Anzeichen einer Entzündungskrankheit.

"Diese Ergebnisse zeigen, daß trotz des Vorhandenseins von Immunkomplexen und C3 in der Niere die Entzündungsreaktion entkoppelt ist. Dies deutet auch darauf hin, daß Fc-Gamma-Rezeptoren für die Einleitung der Entzündungskaskade vorhanden sein müssen und die Komplementaktivierung nicht ausreichend ist", sagt Ravetch. "Diese Erkenntnisse sprechen für die Entwicklung neuer Therapiestrategien zur Behandlung von Lupus auf der Basis eines blockierten Fc-Rezeptors."

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