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News: Der Ozonschutz der Arktis schwindet

Das Ozonloch über der Arktis schließt sich vermutlich langsamer als bisher angenommen. Frühestens am Ende des nächsten Jahrhunderts werde sich die Ozonschicht über der Nordhalbkugel regenerieren, glauben die Wissenschaftler aus Deutschland, der Schweiz und Großbritannien.
Das berichtet eine europäische Forschungsgruppe des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz in Science vom 26. März 1999. Den neuen Ergebnissen liegen Daten zugrunde, die im Winter 1994/95 bei Ballonmessungen über der Arktis gewonnen wurden. Wie der Leiter der Forschungsgruppe, Professor Thomas Peter – jetzt am Lehrstuhl für Atmosphärenchemie der ETH Zürich – berichtet, habe man in der Stratosphäre in rund 15 Kilometern Höhe ungewöhnlich wenig Stickoxide und Salpetersäure festgestellt. Die fehlenden Stoffe schützen normalerweise das Ozon, indem sie chlorhaltige Verbindungen unschädlich machen, die sonst die Ozonschicht angreifen.

"Wie Flugzeugmessungen zeigten, waren die schützenden Substanzen aber in zwölf Kilometern Höhe stark angereichert", so Peter. "Unsere Analyse deutet darauf hin, daß fallende Eiskristallwolkenteilchen, auf denen die Stoffe sitzen, sie herunter transportiert haben."

Dieser Effekt ist seit Jahren aus der Antarktis bekannt, konnte bisher aber für die Nordhalbkugel nicht in dieser Schärfe festgestellt werden. "Unter normalen Bedingungen ist der Winter in der Antarktis rund zehn Grad kälter", erklärt Peter. "Dort bilden sich solche Eiskristallwolken viel häufiger, die Wolkenteilchen können auch zu größeren Durchmessern heranwachsen. Der Winter 1994/95 allerdings war ein ausgesprochen kalter Winter in der Nordpolarregion."

Experten vermuten, daß so kalte Winter in Zukunft häufiger vorkommen. Man nimmt an, daß der Treibhauseffekt eine Abkühlung in Höhe der Ozonschicht verursacht. Für Peter ist das eine bedenkliche Entwicklung: "Es käme vermehrt zur Bildung der Wolkenteilchen, die Stickoxide aus der Atmosphäre entfernen und damit dem Chlor freie Bahn geben, das Ozon anzugreifen. Wenn sich die Entwicklung der Treibhausgase weiter so fortsetzt wie zur Zeit, könnte es sein, daß in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrhunderts die Temperaturen in der Höhe der Ozonschicht drei bis fünf Grad niedriger liegen. Das würde verstärkt zur Bildung polarer Stratosphärenwolken führen."

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