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News: Der Preis des Prachtkleides

Manche Vogelarten bevorzugen den Partnerlook, bei anderen gehen die Geschlechter getrennte Wege im Aussehen, meist in Form eines auffälligeren Gefieders für die Männchen. Bunt zu sein bedeutet aber auch Energieaufwand und größere Auffälligkeit für Feinde - ein Nachteil im täglichen Überlebenskampf?
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Männchen oder Weibchen? Bei manchen Vögeln lässt sich das Geschlecht nicht auf den ersten Blick erkennen, denn sie kommen in einheitlicher Tracht daher. Andere hingegen verkünden schon von weitem farbenfroh, dass es sich bei ihnen um die männlichen Vertreter handelt, während sich ihre weiblichen Artgenossen meist etwas bescheidener geben.

Hintergrund des bunten Auftritts ist in der Regel, dass die Männchen ihr Gefieder als Aushängeschild ihrer Vaterqualitäten nutzen und sich so gegen Konkurrenten abheben wollen. Denn Weibchen sind wählerisch, und Farbe ist eine der Möglichkeiten, sich entsprechend begehrenswert zu präsentieren. Gesang oder Geschicklichkeit beim Nestbau sind weitere Beispiele, die in dieser so genannten sexuellen Selektion eine Rolle spielen können.

Doch dieser Zusatzaufwand hat seinen Preis, denn die Energie, die zum Beispiel zur Herstellung des prachtvollen Aussehens aufgewendet werden muss, fehlt an anderer Stelle. So sind Tiere, die in derartige sekundäre Geschlechtsmerkmale investieren müssen, anfälliger gegenüber Parasiten, Krankheiten und widrigen Umweltbedingungen. Und ganz abgesehen davon fallen bunte Kandidaten natürlich nicht nur den Weibchen verstärkt auf, sondern auch ihren Feinden. Alles in allem können sich also Angehörige einer Art, in der sich Männchen ein auffälligeres Gefieder leisten, zwar besser gegenüber Nebenbuhlern abgrenzen, führen aber auch ein gefährlicheres Leben.

Wie macht sich das in freier Wildbahn bemerkbar? Paul Doherty von der Pariser Université Pierre et Marie Curie und seine Kollegen analysierten Daten, die Freiwillige im Rahmen des North American Breeding Bird Survey in 21 Jahren gesammelt hatten: Während der Brutsaison erfassten Vogelkundler quer über die Vereinigten Staaten hinweg entlang von Nebenstraßen alle 800 Meter sämtliche Vogelarten, die sie innerhalb von drei Minuten zu Gesicht oder zu Gehör bekamen.

Anhand dieser umfangreichen Datenbasis konnten Doherty und seine Mitarbeiter nun untersuchen, inwieweit sich der Anteil von Arten über die Jahre veränderte, bei denen Männchen und Weibchen gleich beziehungsweise verschieden gefärbt sind. Und tatsächlich sahen die Überlebenschancen für die bunteren Vertreter schlecht aus: Im Durchschnitt lag ihr Aussterberisiko in den einzelnen Beobachtungsgebieten um 23 Prozent höher als das ihrer Nachbarn mit einheitlichem Gefieder.

Dann müsste allerdings auf lange Sicht der Anteil von Arten mit unterschiedlich gefärbten Geschlechtern immer weiter zurückgehen – doch davon keine Spur, im Gegenteil. Denn gleichzeitig wanderten offenbar andere Arten mit Geschlechtsdimorphismus aus angrenzenden Gebieten ein – und der Neuzugang lag sogar um 25 Prozent höher als bei den einheitlich gefärbten Spezies. Der gerade entstandene Mangel wurde also schnell durch neue, wenn auch andere Vertreter wieder aufgefüllt. Und so stieg die Artenzahl beider Gruppen im Laufe der Jahre an, bei den getrenntes Gefieder bevorzugenden Arten sogar stärker als bei den Anhängern des Partnerlook.

Solche Ergebnisse wirken sich nicht nur aus auf grundlegende Theorien zu Evolution und Populationsdynamik, sie spielen auch eine wichtige Rolle, wenn es um Schutzvorhaben geht. Denn offenbar benötigen Lebensgemeinschaften, in denen Arten mit unterschiedlich gefärbten Weibchen und Männchen auftreten, den ständigen Nachschub neuer Anhänger dieser Gruppe aus dem Umland – fehlt er, geht die Zahl der Vertreter mit Geschlechtsdimorphismus dann doch zurück. Schnell könnte so das lokale Aussterben einer Art der Auftakt zu einem weiträumigen Rückgang werden.

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