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Sternkunde: Der Rote Riese Beteigeuze war vor 2000 Jahren noch gelb

In historischen Schriften beschrieben Beobachter die Farbe des Roten Riesen noch als gelb-orange. Astrophysiker schließen daraus, dass Beteigeuze sein Lebensende fast erreicht hat.
Der Rote Riese Beteigeuze im Sternbild Orion
Gelb oder rot? Anhand historischer Schriften leiten Astrophysiker her, dass der Stern Beteigeuze seine Farbe verändert hat. Gemeint ist der helle Riesenstern links oben im Sternbild Orion.

Je älter und massereicher ein Stern, desto röter erscheint er am Himmel. Das liegt an der fortschreitenden Kernfusion in seinem Inneren. Der Übergang zu Rot via Gelb und Orange geschieht für astronomische Verhältnisse dabei relativ rasch. Einem Astrophysikteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist es nun gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus den USA und Italien erstmals gelungen, einen solchen Farbwechsel zeitlich sehr genau einzuordnen. Sie ermittelten mit Hilfe mehrerer historischer Quellen, dass Beteigeuze – der helle rote Riesenstern links oben im Sternbild Orion – den irdischen Beobachtern vor rund 2000 Jahren noch gelb-orange erschien. Über ihre Forschungsergebnisse berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des Magazins »Monthly Notices of the Royal Astronomical Society«.

So soll der chinesische Hofastronom Sima Qian etwa um das Jahr 100 v. Chr. in überlieferten Texten über Sternfarben geschrieben haben: Weiß ist wie Sirius, Rot wie Antares, Gelb wie Beteigeuze, Blau wie Bellatrix. Daraus und aus anderen Quellen könne man schließen, so erläutern die Forscher um den Jenaer Astrophysiker Ralph Neuhäuser, dass »Beteigeuze damals in der Farbe zwischen den blau-weißen Sirius und Bellatrix und dem rötlichen Antares gelegen haben muss«. Unabhängig davon beschreibe der römische Gelehrte Hyginus rund 100 Jahre später, Beteigeuze sei von gleicher Farbe wie der gelb-orange Saturn. Heute gleicht Beteigeuze in Helligkeit und Farbe fast dem tiefroten Stern Antares im Sternbild Skorpion.

Aus den Überlieferungen und mit theoretischen Rechnungen lässt sich laut Neuhäuser schließen, dass Beteigeuze etwa 14-mal mehr Masse hat als unsere Sonne. Er gehöre zudem zu den größten Sternen im Universum. Beteigeuze hat einen 900-mal größeren Radius als die Sonne. Stünde er im Zentrum unseres Sonnensystems, würde er alle vier inneren Planeten verschlucken und fast die Umlaufbahn des Jupiters erreichen. Der Stern sei gut 14 Millionen Jahre alt und befinde sich in der Schlussphase seiner Entwicklung, sagt Neuhäuser. Das Ende ist absehbar: »In etwa 1,5 Millionen Jahren wird er schließlich als Supernova explodieren«.

Im Winter 2019/20 hatten Astronomen kurz gehofft, es wäre schon so weit. Damals hatte ein ungewöhnliches Phänomen für Aufsehen gesorgt: Die Helligkeit Beteigeuzes nahm für mehrere Wochen um fast zwei Drittel ab. Experten sahen darin ein Indiz für eine baldige Explosion des Sterns. Später erläuterten Forschende in »Nature«, die Verdunklung sei durch einen großen kühlen Fleck in der südlichen Hemisphäre des Sterns ausgelöst worden. In der Folge habe sich ein Staubschleier gebildet, der vorübergehend einen Großteil seines Lichts abschirmte. Seit April 2020 leuchtet Beteigeuze wieder in gewohnter Helligkeit.

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