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Triumphgesten bei Sportlern: Der Star bin ich!

Sportler neigen im Moment ihres Sieges mitunter zu Furcht einflößenden Gesten – die Jubelfaust des Fußballtrainers Jürgen Klopp oder die Grimasse des Olympiasiegers Michael Phelps etwa wirken wie Demonstrationen gnadenloser Überlegenheit. Für Forscher von der San Francisco State University ist dieses Verhalten Teil eines angeborenen menschlichen Emotionsausdrucks, den sie "Triumph" nennen. Zu den Gesten des Triumphs gehörten laut den Studienautoren Hyisung Hwang und David Matsumoto beispielsweise hochgerissene Arme und das Hervorschieben der Brust sowie Grimassen und faustschlagartige Bewegungen in die Luft. Insgesamt zeige sich im Triumph vor allem eine Mischung aus expandierenden und aggressiven Gebärden.

Triumph | Vergleich einer Triumphgeste und einer Stolz signalisierenden Pose.

In ihren Studien untersuchten die Forscher Bilder und Videos aus den Judowettkämpfen der Olympischen und Paralympischen Spiele 2004 und 2008. Sie bewerteten die erste körperliche Reaktion, die die Judokämpfer nach der siegreichen Beendigung eines Medaillenkampfes zeigten, bezüglich Beschaffenheit und Intensität. Dabei stellten sie nun fest, dass die unmittelbaren Reaktionen auf den Medaillengewinn in erster Linie als eine Darstellung von Dominanz und Aggression zu verstehen waren [1]. Andere Emotionen würden oft erst einige Sekunden später gezeigt, etwa in Form von Stolz signalisierenden Siegerposen, und seien kontrollierter und bewusster geplant [2]. Triumphgesten dagegen liefen spontan und völlig automatisch ab. Belege dafür, dass Triumphgesten keine kulturell erlernten, sondern angeborene Verhaltensweisen sind, sehen die Forscher darin, dass sie erstens von Athleten aus den unterschiedlichsten Nationen gezeigt werden würden und zweitens auch bei blinden Medaillengewinnern der Paralympischen Judowettkämpfe zumindest teilweise zu beobachten gewesen seien.

Ganz kulturunabhängig sei der spontane Jubel allerdings doch nicht: Eine Analyse der beiden Forscher vom November [3] weist darauf hin, dass Triumphgesten häufiger und intensiver bei Athleten auftreten, die aus Nationen kommen, in denen eine hohe so genannte Machtdistanz vorliegt. Das Konzept der Machtdistanz des Kulturwissenschaftlers Geert Hofstede stellt ein Maß dafür auf, inwiefern Macht- und Statusdifferenzen innerhalb einer Gesellschaft akzeptiert sind. In stark hierarchischen Gesellschaften scheinen Dominanzsignale eine wichtigere Rolle zu spielen – entsprechend stärker fällt das Triumphgehabe aus.

Die Funktion dieser Dominanz signalisierenden Körpersprache, so David Matsumoto, Koautor der Studie, könnte besonders in frühen menschlichen Gesellschaften in der Stabilisierung der Gruppenstruktur gelegen haben: Die Umwelt werde so über das Erreichte und die hierarchischen Verhältnisse innerhalb der Gruppe nonverbal – aber in aller Deutlichkeit – informiert, potenzielle Angreifer würden abgeschreckt. Bei den Verlierern sportlicher Kämpfe sieht man die Triumphgesten übrigens nicht – mit einer Ausnahme: Nach der letzten Runde eines Boxkampfes, der nicht durch K.o., sondern durch das Urteil der Kampfrichter entschieden wird, reißen meist beide Kontrahenten die Arme in die Luft und simulieren, mehr oder weniger glaubhaft, den Siegerjubel. Ob die erschöpften Kämpfer die Jury durch ihre schwankenden Jubelposen tatsächlich noch von ihrer Überlegenheit überzeugen und das Urteil zu ihren Gunsten beeinflussen können, ist unklar.

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