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News: Der tiefe dunkle Süden

Menschen gehören zu den Kosmopoliten unter den Säugetieren. Sie leben ganz zufrieden von den Tropen bis zu den Polargebieten. Die Hautfarbe der Menschen spiegelt diese Anpassungsfähigkeit wider: sie schwankt von extremer Blässe bis zu tiefdunklem Braun. Jetzt wurden genaue Daten über die Hauttönung von einem amerikanischen Forscher zusammengetragen.
Unter Anthropologen ist es beinahe eine Binsenweisheit, daß die Haut der Menschen, die in den Tropen leben, am dunkelsten ist und blasser wird, je höher der Breitengrad, in dem sie leben – das heißt, je größer die Entfernung vom Äquator. Eine objektive Überprüfung dieser These ist allerdings schwierig. Meist bewerteten Anthropologen die Hautfarbe mit dem Auge, durch Vergleich mit Standard-Farbtabellen. Erst seit kurzem benutzen Forscher auch wissenschaftliche Meßinstrumente wie Reflektometer, die auf objektive Weise den Grad der Hauttönung aufzeichnen, indem sie feststellen, wieviel Licht von der Haut reflektiert wird (je weniger, desto dunkler).

In einem Bericht im American Journal of Physical Anthropology stellt John H. Relethford von der State University of New York in Oneonta Hautfarben-Reflektometriedaten vor, die auf der ganzen Welt gesammelt wurden. Er fand heraus, daß die These, wonach die Haut der Menschen, die am Äquator leben, am dunkelsten ist, durchaus ihre Richtigkeit hat.

Jedoch wird die Hauttönung nicht einheitlich heller, je größer der Abstand vom Äquator wird. Statt dessen ist die Hautfarbe in der südlichen Hemisphäre dunkler als am entsprechendem Breitengrad der nördlichen Hemisphäre. Warum ist das so?

Die Hautfarbe wird durch die Konzentration des Pigments Melanin bestimmt. Je höher die Konzentration an Melanin in der Haut, desto dunkler die Hauttönung. Dunkle Pigmentierung bietet Schutz gegen schädliche ultraviolette Sonnenstrahlen; deshalb haben Menschen in sonnigeren Gegenden der Welt gewöhnlich eine dunklere Haut. Neuere Fakten deuten darauf hin, daß der Einfall von UV-Strahlung in der südlichen Hemisphäre höher ist als in der nördlichen. Der Unterschied ist nicht unbedeutend: Die UV-Bestrahlung ist ungefähr 13% größer bei 45° S als bei 45° N. Dieses kann dem unterschiedlichen Ozongehalt der Atmosphäre zugeschrieben werden, sowie regelmäßigen Veränderungen in der Stellung der Erde zur Sonne. Relethford glaubt, daß die gegenwärtige Verteilung der Hauttönung zu einer Zeit entstand, als es, wie heute, im Süden eine höhere UV-Bestrahlung gab als im Norden.

Es gibt immer noch ein paar offene Fragen, und ihre Beantwortung wird eine fesselnde Aufgabe sein. Relethford konnte keine Daten aus Amerika benutzen, da diese im allgemeinen mit einem anderen Reflektometer-Typ gesammelt wurden als in der Alten Welt. Aufgrund dieses Unterschiedes sind die beiden Datensätze nicht miteinander kompatibel.

Genausowenig verwendet Relethford Messungen der Hautfarbe der Ureinwohner Australiens. Das Auftreten von Hautkrebs bei hellhäutigen Australiern europäischer Abstammung ist hoch; dies wird allgemein mit dem Ozonloch in Zusammenhang gebracht. Aber die Tatsache, daß die Ureinwohner Australiens besonders dunkel sind, könnte ein Beweis dafür sein, daß die UV-Bestrahlung tief im Süden schon sehr hoch war, bevor die Ozonschicht durch Umweltverschmutzung zerstört wurde. Dies sind natürlich alles Spekulationen, aber sie könnten sich für weitere anthropologische Studien als fruchtbarer Boden erweisen.

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