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News: Der volle Plan

Das Bakterium Chlamydia trachomatis ist ein besonders schwierig zu bekämpfender Krankheitserreger, nistet er sich doch direkt in den menschlichen Zellen ein. Die nun gelungene Entschlüsselung der gesamten Erbinformation verrät noch weitere Tricks: So hat Chlamydia zum Beispiel Gene seiner Wirtszellen in das eigene Genom übernommen.
Ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Richard S. Stephens von der University of California in Berkeley und Ronald Davis vom DNA Sequencing and Technology Center der Stanford University hat das vollständige Genom des Bakteriums Chlamydia trachomatis sequenziert und in die STD-Datenbank gestellt (Science vom 23. Oktober 1998).

Alleine in den USA infizieren sich jährlich vier Millionen Menschen mit dem Erreger. In den Industrienationen wird Chlamydia hauptsächlich beim Geschlechtsverkehr weitergegeben und verursacht bei Frauen Entzündungen der Geschlechtsorgane, die schließlich zu Unfruchtbarkeit und chronischen Schmerzen führen können. In den Entwicklungsländern ist das Bakterium bei Kindern, die den Erreger von den Händen in die Augen bringen, eine der Hauptursachen für vermeidbare Blindheit.

Über die Physiologie, Struktur, Entwicklung und Genetik von Chlamydia trachomatis ist bislang nur relativ wenig bekannt, da das Bakterium direkt in der Wirtszelle wächst. Aus der nun bekannten DNA-Sequenz geht hervor, daß Chlamydia rund 20 menschliche Gene in sein eigenes Erbmaterial übernommen hat – nach Meinung der Wissenschaftler ein deutliches Anzeichen für eine lange und enge Co-Evolution mit der Wirtszelle. Der Erreger nutzt die "gestohlenen" Informationen, um an wichtige Nährstoffe zu gelangen, die er nicht selber synthetisieren kann.

Die Forscher hoffen, mit Hilfe der DNA-Sequenz Erkenntnisse über die Biologie von Chlamydia zu gewinnen, neue Diagnoseverfahren zu entwickeln und wirksamere Medikamente mit hoher Selektivität zu produzieren.

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