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News: Der Wert eines Mathematikers

Kennen Sie jemanden, der einen Bekannten hat, der mit jemandem zur Schule gegangen ist, dessen Schwester dann doch tatsächlich einmal mit der Königin von England Tee getrunken hat? Nicht? Aber wenn Sie Mathematiker sind, sagt Ihnen vielleicht der Name Paul Erdös etwas. Dieser geniale Kopf ist in der Mathematik so etwas Ähnliches wie die Queen in der Regenbogenpresse. Jeder möchte möglichst dicht mit ihm zusammengearbeitet haben, um ein wenig seines Ruhms auf die eigenen Schultern tropfen zu lassen. Eigens um den Grad der Nähe zu quantifizieren, haben Wissenschaftler vor kurzem die 'Erdös-Zahl' eingeführt - je kleiner der Wert, umso angesehener der Denker. Jedenfalls gehören zum erlauchten Kreis der Erdös-1-Klasse gerade mal 507 Mathematiker.
Geboren wurde Paul Erdös in Ungarn, aber gearbeitet hat er fast überall und mit vielen Kollegen. Seine Reiselust hat dazu geführt, dass auf der ganzen Welt noch Arbeiten im Gange sind, deren Ergebnisse in Fachartikeln, die unter anderem seinen Namen in der Autorenliste tragen, veröffentlicht werden, obwohl der Mathematiker bereits 1996 gestorben ist. Alleine 1999 erschienen 25 weitere Schriften und schraubten die Gesamtzahl der Artikel auf fast 1500 hoch.

Zusammen mit Erdös publiziert zu haben, bringt Prestige. Wie viel genau, das berechnen seit kurzem Lázsló Babai von der University of Chicago und Jerrold Grossman von der Oakland University in Michigan (Journal of the Columbian Academy of Sciences vom Dezember 1999). Wer bei einem Erdös-Artikel als Coautor aufgeführt ist, bekommt die Erdös-Zahl 1. Haben Sie mit einer dieser Personen, von denen es zur Zeit nur 507 gibt, zusammengearbeitet, dann steht Ihnen eine Erdös-2 zu und so fort.

Babai und Grossman stellten fest, dass ein großer Teil der 42 Träger einer Fields-Medaille – sozusagen dem 'Nobelpreis für Mathematik' – recht enge Kontakte zu Erdös hatte. Mathematisch gesprochen hatten sie eine endliche Erdös-Zahl, die klein war. "Alle hatten eine fünf oder weniger, und nur einer oder zwei hatten eine fünf", sagte Grossman. Darüber hinaus lassen die Werte Verbindungen der Mathematik zu anderen Wissenschaften erkennen – von der Biochemie bis zur Linguistik. Mehr als 60 Nobelpreisträger haben endliche Erdös-Zahlen – Watson und Crick, welche die Struktur der DNA aufklären konnten, besitzen eine sieben beziehungsweise acht.

Richtig wertvoll sind Sachen ja erst dann, wenn es sich lohnt, sie zu fälschen. Und auch solche Fälle sind den Forschern bekannt. Babai berichtete von einem Artikel, der zwar Erdös' Namen trug, aber "irgendwie schlüpfrig" erschien. Und auch bei den Veröffentlichungen aus dem letzten Jahr sind sie vorsichtig. "Ich könnte mir vorstellen, dass zwei oder drei Fälschungen darunter sind", meinte Babai. Ob es wohl stimmt, dass Erdös mal mit der Queen Tee getrunken hat?

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