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Straßenverkehr: Wie überfahrene Tiere der Wissenschaft helfen

Rehe, Hasen oder Eichhörnchen fallen zu oft dem Straßenverkehr zum Opfer. Aber die wissenschaftliche Nutzung der Kadaver könnte lebendige Tiere schützen.
Bison überquert eine Landstraße
Dies ist eine maschinell erzeugte Übersetzung eines Artikels der internationalen Partner von Spektrum.de. Er wurde von uns überprüft, jedoch nicht redaktionell bearbeitet. Gerne können Sie uns Ihr Feedback am Ende des Artikels mitteilen.

Mitten in der Nacht hielt auf einer australischen Autobahn ein Auto vor Christa Beckmann, einer Frau mit Brille, die am Straßenrand kniete. Sie erinnert sich an die Verwirrung auf dem Gesicht des Fahrers, als er sah, dass sie tote Frösche aufsammelte.

»Er fragte mich: ›Was zum Teufel machen Sie da?‹ Und ich erklärte es ihm. Es war irgendwie lustig, seine wechselnden Gesichtsausdrücke zu beobachten«, sagt sie.

Beckmann ist Wildtierökologin an der RMIT University in Australien. Bei jener Begegnung hat sie erforscht, wie Raubvögel überfahrene Frösche und die invasive Aga-Kröte fressen. Um ein vollständiges Bild davon zu erhalten, zu welchem Zeitpunkt die Vögel welche Amphibien fressen, sammelte sie die Kadaver in den frühen Morgenstunden. Dann legte sie sie in Tabletts am Straßenrand, die mit Sand gefüllt waren. Die Vögel stürzten sich hinab und schnappten sich ihr warziges Frühstück. Beckmann konnte anschließend die verräterischen Fußspuren beobachten, die die Vögel im Sand hinterließen.

Als Beckmann sich auf diese Arbeit vorbereitete und dafür frühere Studien durchforstete, fiel ihr ein Muster auf: Auch viele andere Forschenden verwendeten in ihren Studien überfahrene Tiere. Ihre Neugierde veranlasste sie, eine umfassende Literaturübersicht darüber zu erstellen, wie Menschen überfahrene Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken genutzt haben – und dabei in einigen Fällen sogar neue Forschungsmethoden entwickelt haben. Sie fand mehr als 300 Beispiele, in denen Forschende mithilfe überfahrener Tiere die Verbreitung von Tierarten kartierten, auf ethischere Weise Proben beschafften und sogar neue Arten entdeckten.

»Ich war wirklich beeindruckt von der enormen Vielfalt der Anlässe, für die Menschen überfahrene Tiere nutzten«, sagt Beckmann. »Das könnte eine Quelle der Inspiration für andere Forschende sein.«

Am häufigsten nutzten Forschende überfahrene Tiere, um das Vorkommen bestimmter Tierarten, das Auftreten von Krankheiten sowie die Anatomie der Tiere zu untersuchen. Überfahrene Tiere können Aufschluss darüber geben, was im Körper eines Tieres vor sich ging, als es starb, sagt Christopher Lepczyk. Er ist Naturschutzbiologe an der Auburn University und war nicht an der Untersuchung beteiligt. Mit Tierkadavern konnte auch die Ausbreitung von invasiven Tierarten bestimmt werden. Es wurden sogar neue Arten gefunden - beispielsweise die Doppelschleiche in Brasilien sowie ein Nagetier in Indien.

Viele ähnliche Studien benötigen für ihren Erfolg aber keine überfahrenen Tiere. Forschende wie Beckmann argumentieren jedoch, dass ihre Untersuchung eine ethische Alternative zum Fangen oder sogar Einschläfern von lebenden Wildtieren - beispielsweise, um an Gewebeproben zu kommen - darstellt. Forschende sollen bei solchen Studien zuerst prüfen, ob die Anzahl lebender Tiere reduziert wird oder ersetzt werden kann. »Ich halte [überfahrene Tiere] für eine fantastische ethische Quelle für Untersuchungsproben«, sagt Beckmann.

Natürlich bedeutet all das nicht, dass überfahrene Tiere kein Problem darstellen. Allein in den USA werden jedes Jahr Millionen von Tieren durch Fahrzeuge getötet. Eine Studie aus dem Jahr 2016 ergab, dass 20 Prozent der Landfläche der Welt weniger als einen Kilometer von einer Straße entfernt sind. Forschende schätzen, dass dieser Prozentsatz nur noch gestiegen ist. »Wir haben im Prinzip ein riesiges Netzwerk aus Guillotinen, die entlang der Straßen verlaufen«, sagt Fraser M. Shilling, Leiter des Road Ecology Center an der University of California in Davis.

Shilling bezweifelt nicht, dass Tierkadaver wertvolle Forschungsmöglichkeiten für die Wildtierökologie bieten. Aber Forschende sollten überfahrene Tiere »nur dann nutzen, wenn es potenziell schädliche oder tödliche Methoden der Tierprobenahme ersetzt«, sagt er. Das ultimative Ziel sollte laut Shilling und Beckmann der Schutz lebender Tiere sein.

»Wir sollten diese Ressource, wenn möglich, auf ethische Weise nutzen«, sagt Beckmann. »Trotzdem wäre es mir lieber, wenn diese Ressource gar nicht erst verfügbar wäre. Ich fände es besser, wenn wir das Gemetzel, das wir auf den Straßen sehen, nicht hätten.«

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