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Revierkampf: Der Wurm mit dem lautesten Knall

Er besteht aus nichts als weichem Gewebe und Muskeln. Trotzdem schafft es dieser Wurm, bei seinen Revierkämpfen so laut zu schnalzen wie kaum ein anderes Meerestier.
Zwei Würmer im KnallkampfLaden...

Er ist selbst fast durchsichtig und lebt in glasartigen Schwämmen in der See rund um Japan: Mit seinen knapp drei Zentimetern Körperlänge und fühlerartigen Auswüchsen scheint Leocratides kimuraorum ein Meereswurm wie jeder andere zu sein. Umso mehr staunten Ryutaro Goto und Kollegen, die das Tier vom Meeresboden fischten, als sie es in einem Aquarium filmten. Jedes Mal, wenn sich zwei Artgenossen über den Weg liefen, begannen sie eine Art Kampf mit den Mündern. Sie berührten sich an ihrer Vorderseite und produzierten dann einen extrem lauten Knall.

Mit bis zu 157 Dezibel erreichen sie dabei Werte, die jenen der Knall- oder Pistolenkrebse entsprechen. Diese Tiere erzeugen mit ihren Scheren ein so lautes Geräusch, dass sie sogar kleine Beutetiere erlegen können. Sie zählen damit zu den Rekordhaltern im Tierreich. Anders als die Knallkrebse verfügt Leocratides kimuraorum jedoch über keinerlei harte Körperteile, die ihm bei der Schallerzeugung behilflich sein könnten, etwa indem sie wie eine Feder Energie speichern und dann blitzartig freisetzen.

© Isao Hirabayashi and Ryutaro Goto
Kurz, aber laut

Die Forscher um Goto, der an der Universität Kyoto forscht, wandten sich darum an Richard Palmer von der University of Alberta, mit dem sie eine Studie im Fachmagazin »Current Biology« verfassten. Gemeinsam suchten sie nach dem Mechanismus der Knallerzeugung und glauben nun, fündig geworden zu sein. Demnach produzieren die Würmer das Geräusch mit Hilfe ihrer Schlundmuskulatur. Sie öffnen dazu innerhalb von zwei hundertstel Sekunden einen Hohlraum, wobei durch den plötzlichen Druckabfall eine Dampfblase entsteht, die kurz darauf in sich zusammenfällt und dabei den Knall erzeugt.

Wozu die Würmer den Knall einsetzen, ist unbekannt. Auch ob das Geräusch von den Artgenossen wahrgenommen wird oder ob vielmehr die dahinter stehende Mundbewegung eine Funktion hat, wissen die Forscher noch nicht. Vermutlich gehe es bei den Kämpfen darum, Eindringlinge aus dem eigenen Revier fernzuhalten.

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