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Energie: Deutsche Haushalte verbrauchen zu viel Energie und Fläche

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Der Energieverbrauch deutscher Haushalte für Wohnen ist von 1995 bis 2005 um 3,5 Prozent gestiegen, die Wohnfläche nahm um 13 Prozent zu. Sollte der Energiehunger weiter wachsen, könne man dem Klimawandel kaum begegnen, warnte Umweltbundesamt-Präsident Andreas Troge: "Wir müssen in Deutschland den gesamten Energieverbrauch bis 2050 halbieren. Die privaten Haushalte können dazu einen wichtigen Beitrag leisten."

Ein Problem stellt die Zunahme von Elektrogeräten in Haushalten dar, zumal viele Geräte nicht mehr vom Netz getrennt, also "ausgeschaltet" werden, sondern über Stand-by-Schaltung weiterhin Strom verbrauchen. Einfache Netzschalter könnten solche Leerlaufverluste – derzeit 17 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr, entsprechend Stromkosten von 3,3 Milliarden Euro – massiv eindämmen. Auch effizientere Technik bei "Weißer Ware" – Kühlschrank, Waschmaschine und Co – machten jährliche Einsparungen von knapp sechs Prozent des Stromverbrauchs von Privathaushalten oder sieben Milliarden Kilowattstunden jährlich möglich. Das Umweltbundesamt fordert daher eine EU-Regelung für Effizienzstandards, die sich an dem durchschnittlichen Stromverbrauch des besten Viertels verfügbarer Geräte orientiert.

Großes Einsparpotenzial sehen die Wissenschaftler auch bei Häusern, die vor 1970 gebaut wurden und meist noch immer unzureichend gedämmt sowie mit veralteten Heizanlagen ausgestattet sind. Um Vermieter vermehrt zu entsprechenden Investitionen anzuregen, sollten solche Ausgaben stärker als bisher auf die Mieter umgelegt werden dürfen, schlägt das Umweltbundesamt vor. Bislang dürfen Vermieter diese Kosten mit elf Prozent jährlich über die Kaltmiete gegenfinanzieren. Um die Mieter zu schützen, dürften entsprechend höhere Umlagen aber nur befristet und gestaffelt nach dem Einsparerfolg erlaubt sein. Auch solle die Bundesregierung das KfW-CO2-Gebäudesanierungsprogramm fortführen.

Entscheidend für den wachsenden Energieverbrauch ist auch die steigende Zahl von Ein- und Zwei-Personen-Haushalten, die jeweils um zwölf Prozent zugenommen haben. Im Vergleich zu einem Bewohner eines Mehr-Personen-Haushalts liegt der Energieverbrauch eines Singles fast doppelt so hoch. Dahinter stecke auch die demografische Entwicklung: Die Menschen werden immer älter, und viele von ihnen lebten allein.

Ein Dorn im Auge sind Troge zudem die Bauten auf der "Grünen Wiese": Der Bau an sich sowie die Schaffung und Instandhaltung der nötigen Infrastruktur belasteten die natürlichen Ressourcen stark. "Wir müssen mehr Wert auf die Entwicklung der Innenstädte und die energetische Modernisierung unserer Altbauten legen", erklärt er. "Eine teure Infrastruktur mit langen Verkehrswegen, die immer weniger Menschen nutzen, können wir uns nicht mehr leisten." (af)
15.11.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 15.11.2006

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