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Demografie: Deutschland 2050: minus 10 Millionen

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Die Einwohnerzahl der Bundesrepublik Deutschland wird nach neuen Zahlen des Statistischen Bundesamts in den nächsten Jahrzehnten von heute 82,4 Millionen auf nur noch 69 bis 74 Millionen Menschen zurückgehen – sofern sich nichts an den derzeitigen demografischen Bedingungen ändert. Hierzulande würden dann im Jahr 2050 weniger Menschen leben als 1963.

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Deutschlands Bevölkerung 2050 | Deutschlands Bevölkerung 2050: Der großen Gruppe der über 65-Jährigen steht eine deutlich geschrumpfte Zahl an Kindern und Jugendlichen gegenüber.
Diese Entwicklung könne auch nicht durch eine etwas höhere Kinderzahl je Frau (gegenwärtig 1,4 Kinder pro Frau, nötig wären jedoch 2,1, um die Bevölkerungszahl stabil zu halten) oder eine noch schneller steigende Lebenserwartung verhindert werden, so die Behörde. Das gegenwärtige Geburtendefizit werde dabei derzeit auch nicht durch Migrationsüberschüsse aus dem Ausland ausgeglichen, wie der Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, Walter Radermacher, in Berlin mitteilte. Im Jahr 2005 wurden rund 685 000 Kinder geboren, während 830 000 Menschen starben. Gleichzeitig wanderten offiziell nur knapp 80 000 Männer und Frauen mehr ein als aus, sodass nach diesen Zahlen bereits letztes Jahr ein Netto-Rückgang zu verzeichnen war.

Die Bevölkerungszahl nimmt außerdem nicht nur weiter ab, sondern es wird auch zukünftig weniger Kinder und noch mehr ältere Menschen geben, die immer länger leben werden. Wegen der abnehmenden Zahl potenzieller Mütter sinkt die jährliche Geburtenzahl in den nächsten vierzig Jahren auf rund 500 000 Babys jährlich. Gleichzeitig steigt die Lebenserwartung der 65-Jährigen um weitere 4,5 Jahre. Die Zahl der 60-Jährigen wird dann mit gut einer Million doppelt so hoch sein wie die Zahl der Neugeborenen; 2005 gab es dagegen noch fast genauso viele Neugeborene wie 60-Jährige. Auch die Zahl der 80-Jährigen und Älteren wächst rapide an: Statt vier Millionen wie heute, werden sie dann zehn Millionen im Jahr 2050 stellen. Entsprechende Konsequenzen hat dies für das Gesundheitssystem, das Betreuungs- und Schulwesen wie das Arbeitskräfteangebot für Industrie und Handwerk.

Entsprechend pessimistisch sieht das Szenario für Zukunft der Erwerbsbevölkerung aus: Zur Bevölkerung im Erwerbsalter von 20 bis 64 Jahren gehören heute etwa fünfzig Millionen Menschen, bis 2050 wird diese Gruppe – je nach Ausmaß der Zuwanderung – um 22 bis 29 Prozent schrumpfen. Der Altenquotient für das Renteneintrittsalter von 65 Jahren – die Anzahl der 65-Jährigen und Älteren je 100 Personen von 20 bis unter 65 Jahren – liegt aktuell bei 32. Doch dieser wird schon in den nächsten Jahren deutlich ansteigen und nach 2020 mit dem Eintritt der starken Jahrgänge in das Rentenalter nach oben schnellen, sodass er bereits in einem Vierteljahrhundert um den Wert 50 stehen wird und in einem halben Jahrhundert bei 60 bis 64. Sollte sich die Altersgrenze für den Eintritt in die Rente tatsächlich dauerhaft auf 67 Jahre verschieben, würde der Altenquotient 2050 eher auf den Wert 52 oder 56 steigen. Sollte er dagegen auf heutigem Stand stabil gehalten werden, dürfte die Verrentung in der mittelfristigen Zukunft sogar frühestens erst ab 74 Jahren beginnen. (dl)
08.11.2006

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 08.11.2006

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