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News: Deutschlands Bildung im internationalen Vergleich

Die Bundesminsterin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, und der Präsident der Kultusministerkonferenz, Senator Willi Lemke, haben am 15. Mai 2000 in Berlin den neuen Bericht der Organisation for Economic Cooperation and Development (OECD) 'Bildung auf einen Blick' einer Bewertung unterzogen. In dem Bericht werden die Bildungssysteme und deren Entwicklung für mehrere Länder anhand einer Vielzahl von Indikatoren dargestellt. In den Ergebnissen der Veröffentlichung, die sich auf Daten von 1998 beziehen, sieht Ministerin Bulmahn die jetzt von der neuen Bundesregierung gesetzten bildungspolitischen Schwerpunkte im Wesentlichen bestätigt.
"Der OECD-Bericht zeigt uns, dass wir die Qualität der beruflichen Ausbildung auch weiterhin sichern und konsequent an den Erfordernissen des Arbeitsmarktes orientieren müssen. Mit 7,7 Prozent Jugendarbeitslosigkeit liegt Deutschland weit unter dem OECD-Durchschnitt von 22 Prozent. Dies ist im Wesentlichen auf die Stärken des dualen Ausbildungssystems in Deutschland zurückzuführen. Um die Jugendarbeitslosigkeit weiter zu verringern, sind noch mehr Ausbildungsplätze im dualen System notwendig", betonte Ministerin Bulmahn. Deutschland habe den dritthöchsten Bildungsstand in der Welt mit 84 Prozent der Gesamtbevölkerung, die entweder über Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen.

Erforderlich sei weiterhin, durch mehr ausländische Studierende in Deutschland und mehr deutsche Studierende im Ausland den Prozess der europäischen Integration und der Internationalisierung insgesamt voranzutreiben. In Deutschland würden die neuen Möglichkeiten von Bachelor- und Masterabschlüssen helfen, diesen Prozess zu beschleunigen. Die neuen Studiengänge würden durch ihre klare Berufsorientierung und begrenzte Studiendauer zudem dazu beitragen, mehr Jugendliche zu einem Studium zu ermuntern, die keine Wissenschaftskarriere anstrebten.

"Eine Schwäche unseres Bildungssystems ist, dass wir im internationalen Vergleich zu wenig Studierende haben: Nur 28 Prozent beginnen eine tertiäre Ausbildung, während die OECD einen Durchschnitt von 40 Prozent errechnet. Gleichzeitig sind die Kosten jedoch pro Studium und Studierendem außerordentlich hoch, weil die Studiendauer zu lange ist. Dies kann für uns nur bedeuten, dass wir die Strukturen an unseren Hochschulen modernisieren müssen: Die BAföG-Reform war der Beginn, und die von mir geplante Dienstrechtsreform wird ein weiterer wichtiger Eckpfeiler sein", erklärte Bulmahn. Bei der Betrachtung der gesamten Bildungsausgaben wendete Deutschland 1997 5,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für sein Bildungssystem auf – 0,2 Prozent weniger als noch 1994. Die neue Bundesregierung habe bereits die Weichen gestellt. Seit 1999 werde kontinuierlich erheblich mehr ins Bildungssystem investiert.

Nach Angaben des Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Senator Willi Lemke, liefert die Studie über Deutschlands Schulen positive aber auch verbesserungswürdige Befunde."Gute Ergebnisse sehe ich vor allem beim Ausbildungsniveau und bei der Bildungsbeteiligung", sagte der Präsident. "93 Prozent der 20jährigen Erwachsenen haben entweder eine abgeschlossene Berufsausbildung oder die Hochschulreife. Damit stehen wir fast an der Spitze aller OECD-Länder", so Lemke.

Auch bei den Ausgaben für die Schulen und bei der Schüler-Lehrer-Relation steht nach Angaben Lemkes der Sekundarbereich II in Deutschland im OECD-Vergleich und auch im Vergleich mit den wichtigsten Industrienationen überdurchschnittlich gut da. Im Bereich des Sekundarbereichs I werde aber nur der Durchschnitt erreicht, und im Primarbereich liege Deutschland deutlich darunter.

Fremdsprachen haben in Deutschlands Schulen einen hohen Stellenwert. Der Anteil des Fremdsprachenunterrichts ist mit 21 Prozent fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt der OECD-Staaten. "Die Beherrschung von Fremdsprachen ist im zusammenwachsenden Europa dringend notwendig. Deswegen ist dieser hohe Anteil erfreulich", sagte Lemke. Er wies aber auch darauf hin, dass dieses Ergebnis seinen Preis habe. Mit rund 14 Prozent falle der muttersprachliche Unterricht im Vergleich zu vielen anderen Ländern eher gering aus. Beim Anteil des Mathematik-Unterrichtes liege Deutschland im Mittelfeld.

"Wir müssen uns im Vergleich mit den anderen Ländern nicht schämen, aber wir haben auch keinen Grund, besonders stolz zu sein", lautet das Fazit des KMK-Präsidenten. Deutschland habe eine Reihe von positiven Werten, aber auch schlechte und Durchschnittswerte aufzuweisen. Viele andere Länder hätten in der Vergangenheit aufgeholt, Deutschland müsse sich anstrengen, nicht nur um wieder weiter nach vorne zu kommen, sondern um nicht weiter abzurutschen.

Unterrichtsversorgung und Höhe der materiellen Aufwendungen allein liefern aber noch kein Bild über die Leistungsfähigkeit eines Bildungssystems. "Insofern ist es sehr wichtig, dass Deutschland sich an der OECD-Studie PISA beteiligt, deren erste Hauptphase gerade begonnen hat. Sie wird Aufschluss über die Leistungen von 15jährigen Schülerinnen und Schülern in den zentralen Bereichen Leseverständnis, Mathematik und Naturwissenschaften sowie über fachübergreifende Schlüsselkompetenzen geben. Wenn diese Ergebnisse vorliegen, haben wir Ansatzpunkte, um Aufwand und Ertrag auf empirisch verlässlicher Basis in Beziehung setzen zu können", stellten Ministerin Bulmahn und Präsident Lemke fest.

Die vielfältigen Arbeiten der OECD im Bereich der Bildungsanalyse, wie sie insbesondere in den jüngsten Veröffentlichungen "Bildung auf einen Blick 2000", "Bildungspolitische Analyse 1999" und "Investing in Education" zum Ausdruck kommen, wurden einhellig begrüßt. Die OECD wurde ermuntert, vor allem die Konzepte des lebenslangen Lernens und zur Bewertung von Humankapital sowie zur Leistungsmessung in Schulen zügig weiter voranzutreiben.

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