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Im Medizinschrank: Dextromethorphan, Hustenstiller mit Missbrauchspotenzial

Halsweh, Schnupfen, Hustenreiz – die klassischen Erkältungssymptome sind harmlos, aber unangenehm. Gegen trockenen Husten können Mittel mit Dextromethorphan helfen.
Saft mit Dextromethorphan kann helfen, Reizhusten zu lindern.

Tabletten gegen Kopfweh und Magenschmerzen, Salben für Brandwunden und Sportverletzungen – eine ordentliche Hausapotheke ist umfassend ausgestattet. Doch was für Wirkstoffe stecken eigentlich in den Medikamenten? Welche Mittel helfen wirklich, was ist umstritten? Und gibt es vielleicht eine gesündere Alternative? Wir werfen regelmäßig einen Blick auf die Mittel im Medizinschrank. Dieses Mal: Dextromethorphan gegen Husten.

Wer kauft das?

Jeder zweite Erwachsene in Deutschland war in den vergangenen sechs Monaten ein- bis zweimal erkältet, Kinder haben gar sechs- bis zehnmal jährlich Schnupfen. Um den Reizhusten, der häufig damit einhergeht, zu stoppen, kaufen viele Menschen Mittel mit dem Wirkstoff Dextromethorphan. Mit rezeptfreien Hustenmedikamenten machen Apotheken jährlich rund 400 Millionen Euro Umsatz.

Wie wirkt das und wie gut?

Reizhusten – trockener, unproduktiver Husten – geht auf eine Überaktivität des Hustenzentrums im Stammhirn zurück. Seit den 1950er Jahren gibt es dagegen Dextromethorphan. Der Hustenstiller in Tropfen, Kapseln, Sirup oder Tabletten dämpft das Hustenzentrum, indem es dessen Reizschwelle verschiebt. Schon eine Viertelstunde nach der Einnahme ist der Hustenreflex gedämpft. Die Wirkung hält bis zu sechs Stunden an.

Was sind häufige Nebenwirkungen?

Als Nebenwirkungen können Müdigkeit und Schwindel auftreten. Jeder zehnte Nutzer bekommt es mit Übelkeit, Erbrechen oder anderen Magen-Darm-Problemen zu tun. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker warnt, dass immer mehr Jugendliche Dextromethorphan als Rauschmittel missbrauchen: Hoch dosiert fördert es Halluzinationen.

Was ist die Alternative?

Bei Asthma, COPD, einer Lungenentzündung und anderweitig beeinträchtigter Atemfuntion ist Dextromethorphan tabu, weil es das Atemvolumen beeinflussen und so die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen kann. Menschen mit diesen Atemwegserkrankungen können Pentoxyverin einnehmen, das ähnlich wirkt und zusätzlich die Bronchien erweitert. Wer Pflanzliche Mittel bevorzugt, greift auf Arzneien mit Efeu, Sonnentau, Spitzwegerich oder Eibischwurzel zurück. Als Hausmittel gegen Husten gelten Tee mit Fenchelhonig, Salbeitee oder ein Sud aus Zwiebelstücken und Kandiszucker.

Wann sollte man doch zum Arzt gehen?

Bessert sich der Husten nach zwei Wochen nicht, ist es Zeit für einen Arztbesuch. Das gilt schon vorher, wenn Fieber oder eine starke Abgeschlagenheit hinzukommen. Auch bei Husten, der nur nachts oder anfallsartig auftritt, mit Atemgeräuschen oder Brustschmerzen einhergeht, sollte man sich von einem Arzt untersuchen lassen. Blutiger Husten ist ein Notfall.

Die perfekte Hausapotheke

  • Hinein sollten auf jeden Fall: sterile Kompressen, Mullbinden, Verbandpäckchen und -watte. Ebenso diverse Pflaster, ein Dreiecktuch und Klammern, um Verbände festzustecken. Zudem ist es sinnvoll, eine Schere, ein Fieberthermometer, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel parat zu haben.
  • Hilfreich sind die Regeln für erste Hilfe und eine Liste mit den wichtigsten Rufnummern (112, ärztlicher und zahnärztlicher Bereitschaftsdienst, Apothekennotdienst). In einer Notsituation vergisst man solche Nummern schnell.
  • Standardmedikamente sind Mittel gegen Herpes, Sodbrennen, Magenschmerzen, Durchfall oder Verstopfung, Fieber, Halsweh, Kopfschmerzen. Ebenso ratsam: Salben, die Brand- oder Sportverletzungen lindern.
  • Verschreibungspflichtige Arzneien wie zum Beispiel Blutdruckmittel oder Opiate gehören hingegen nicht in die Box.
  • Dunkel, kühl und trocken – so ist der perfekte Ort für die Hausapotheke. Bestenfalls steht sie also im Schlafzimmer oder Flur, nicht im Bad oder in der Küche.
  • Um Kinder zu schützen, sollte die Box abschließbar sein.
  • Für was war das noch gleich? Notizen auf der Verpackung und die Beipackzettel helfen.
  • Und wichtig: Prüfen Sie mindestens einmal im Jahr, ob noch alles drin und haltbar ist.

Alle Teile der Serie finden Sie auf der Sammelseite »Im Medizinschrank«.

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