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News: Dickes Blut

Normalerweise besteht das Blut einer Maus zu 45 Prozent aus roten Blutkörperchen. Wissenschaftler haben Mäuse nun jedoch so verändert, dass dieser Wert auf fast das Doppelte anstieg. Dies ermöglichte Erkenntnisse, von denen Patienten mit der Blutkrankheit Polyglobulie profitieren könnten.
Polyglobulie
Bei der Polyglobulie ist die Zahl der roten Blutkörperchen stark erhöht. Das bleibt nicht ohne klinische Folgen: Die Betroffenen leiden einerseits an Störungen der Blutgerinnung, andererseits an der vermehrten Bildung von Blutgerinnseln. Dadurch verstopfen die Blutgefäße, was wiederum zu einem Sauerstoffmangel in Organen und – wenn das Gehirn betroffen ist – zu Schlaganfällen führen kann.

In der Zukunft können diese Patienten möglicherweise von einem Medikament profitieren, das die Wirkung des Botenstoffs Endothelin blockiert. Durch die Verabreichung eines solchen Endothelin-Rezeptor-Antagonisten bleiben die Blutgefäße nämlich stärker erweitert und werden von dem dickflüssigen Blut nicht so leicht verstopft.

Dieser Mechanismus funktioniert zumindest bei genveränderten Mäusen, deren Blut zu 85 Prozent aus roten Blutkörperchen besteht. Es ist dadurch so zäh, dass es kaum noch strömen kann – weshalb folglich auch die Lebenserwartung der Nager deutlich kürzer ist. Mit diesem Tiermodell konnte das Team um Thomas Quaschning von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg nun erstmals untersuchen, welche Regulationsmechanismen es ermöglichen, dass derart dickes Blut durch die feinen Kapillargefäße hindurchkommt.

Nähere Untersuchungen der dickblütigen Mäuse zeigten, dass sich die Blutgefäße der Mäuse durch eine massiv gesteigerte Produktion von Stickstoffmonoxid so stark erweiterten, bis alle Organe ausreichend mit Blut versorgt wurden. Pfoten, Ohren und Schnauzen der Tiere erschienen durch die so erzwungene Gefäßerweiterung in einem knalligen Rot.

Viel bedeutsamer als dieser kosmetische Aspekt war aber die Tatsache, dass es im Körper der Tiere zu einer Gegenregulation kam: Die Konzentration von Endothelin, dem am stärksten gefäßverengend wirkenden Botenstoff überhaupt, erhöhte sich.

Kritisch war das aber erst dann, wenn die Menge an Stickstoffmonoxid abnahm, was zum Beispiel der Fall ist, wenn die Mäuse altern. Dann überwog der Effekt des Endothelins.

Das hatte für die gentechnisch veränderten Mäuse ernsthafte Folgen: Die Gefäße verengten sich zunehmend und stellten für das zähflüssige Blut ein so großes Hindernis dar, dass dies zum frühen Tod führte. Durch den Einsatz des Endothelin-Rezeptor-Antagonisten gelang es den Forschern jedoch, die Überlebensdauer der Tiere deutlich zu verlängern. Nun besteht die Hoffnung, dass solche Botenstoff-Blocker auch Polyglobulie-Patienten helfen können.

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